#tsuzamen 2021: Junge Menschen schreiben über jüdisches Leben in Deutschland

Zwischen dem 30. Juli und dem 1. August 2021 fand der digitale politikorange-Workshop #tsuzamen statt. Sieben junge Redakteur*innen lernten, wie man journalistische Beiträge verfasst und erhielten Input zum Thema jüdisches Leben in Deutschland.

Jüdisches Leben in Deutschland – so viel man sich vielleicht in der Schule damit beschäftigte, so einseitig war diese Betrachtung auch. Zwischen dem 30. Juli und 1. August zoomte sich deshalb die #tsuzamen-Redaktion zusammen, um das Schreiben von journalistischen Texten zu lernen und sich mit dem Thema „jüdisches Leben in Deutschland“ auseinanderzusetzen. Die Nachwuchs-Onlineredaktion fand in Kooperation mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ statt. Die zwei Chefredakteurinnen Klaudia Lagozinski und Zita Hille begleiteten die Nachwuchsredakteur*innen.

Viele Fragen, viele Themen

Das Wochenende bot den Jugendlichen und jungen Erwachsenen intensiven Input in den Bereichen diskriminierungsfreie Sprache, wie Juden und Jüdinnen in Deutschland leben, Vorurteilsbewusstsein und auch Tipps bezüglich journalistischer Arbeit. In einem Austausch mit Liora und Justyna, beide Ehrenamtliche des Projekts „Meet a Jew“, hatte die Onlineredaktion die Möglichkeit, Fragen zu stellen. „Wird Antisemitismus unter den Teppich gekehrt?“, fragte eine der Teilnehmer*innen. „So richtig aufgeklärt wird immer noch nicht“, antwortete Studentin und Jüdin Liora. Justyna, Deutschpolin und Jüdin, erzählte im Zoomgespräch von Alltagsantisemitismus. Eine weitere Redakteurin fragte, welche Art von journalistischer Berichterstattung sich die beiden wünschen würden, woraufhin Justyna antwortete: „Ich möchte, dass die Leser*innen erkennen, dass wir normale Menschen sind – und dass wir nicht alle superreich sind.“

Auch das Abendprogramm des ersten Workshoptages, in dem der Kurzfilm Masel Tov Cocktail gemeinsam geschaut wurde, setzte sich mit Stereotypen und dem gesellschaftlichen Bild von Juden*Jüdinnen in Deutschland auseinander.

Diskriminierungsfreie Sprache als Herausforderung und Ziel

Am Samstag war Journalistin Gilda Sahebi für einen Input im Zoom-Raum zu Gast und erklärte, wieso diskriminierungssensible Sprache und Berichterstattung wichtig ist und wie man diese anwendet. Hierbei fiel auf, dass diskriminierungsfreie Sprache gar nicht mal so einfach ist – und wie oft Diskriminierung eigentlich unterbewusst Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs von vielen Menschen ist. Auch erklärte Gilda Sahebi, dass Antisemitismus nicht nur von rechts, sondern auch von links kommen kann.

Auf den morgendlichen Input folgte eine Einführung in das journalistische Schreiben der beiden Chefredakteurinnen und eine erste Themenbesprechung. Am späten Nachmittag wurde in lockerer Runde noch über das Thema Wege in den Journalismus gesprochen.

Von Input zur Themenfindung

Am dritten Workshoptag hielten Monty Ott und Ruben Gerczikow, beide Gründer des Projektes Laumer Lounge, einen Vortrag zum Thema „jüdischer Widerstand und Aktivismus“. Monty und Ruben erreichen mit Laumer Lounge eine junge Zielgruppe über Instagram und tragen entgegen verbreiteter Stereotype dazu bei, vielzählige Geschichten jüdischer Widerständigkeit und Vielfältigkeit sichtbar zu machen. Auch nach diesem Programmteil hatten die Redakteur*innen viele Fragen an die beiden, welche diese gerne beantworteten. Die Fragen umfassten Bereiche wie etwa die Darstellung von Judentum im Religionsunterricht, Rechtsextremismus sowie das Thema, in eine Opferrolle gedrängt zu werden. Ein besonderes Learning war hier, dass das eigentliche Problem der Juden*Jüdinnenfeindlichkeit nicht dadurch gelöst werden könne, dauernd die Opferseite zu beleuchten, sondern auch mal die Gesellschaft zu betrachten: Was können nicht-jüdische Menschen dagegen tun? Im Anschluss an die Diskussion folgten Einzelgespräche mit der Chefredaktion.

Der dreitägige Workshop endete schließlich mit einer Redaktionskonferenz, in der alle Teilnehmer*innen die Themen vorstellten, die sie in den kommenden sieben Tagen recherchieren und niederschreiben wollten. Auch hier betätigte sich: Es gibt zahlreiche Interessante Aspekte und Fragestellungen zu heutigem jüdischen Leben in Deutschland: Was bedeutet Jüdisch-Sein heute? Wie leben junge Jüdinnen*Juden ihren Glauben aus? Werden vielfältige Lebensrealitäten jüdischer Menschen in der Politik repräsentiert? Welchen Beitrag kann eine Ausstellung über das Judentum leisten?
Nach einer Woche Schreibzeit wurden die Texte dann an die Chefredaktion geschickt, die Feedback gab und mit den Redakteur*innen an ihren Beiträgen arbeitete. Alle im Rahmen von #tsuzamen entstandenen Texte werden auf dem Blog von politikorange zu lesen sein.

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