Stefan Eck: Für das eigene Gewissen und den Tierschutz

Stefan Eck sitzt als parteiloser Abgeordeneter im Europäischen Parlament in der GUE/NGL-Fraktion. Dort liegen ihm die Themen Umwelt und Tierschutz insbesondere am Herzen – kein Wunder, war er doch einst Vorsitzender der Tierschutzpartei. Mit Skender Berisha hat er über seine Arbeit gesprochen.

Stefan Eck stellte sich den Fragen von Skender Berisha.                             Foto: Sema Selin Tasci

 

Woher kommen Sie gerade?

Von zu Hause – hier aus Saarbrücken.

Hätte ja sein können, dass Sie noch unterwegs waren?

Gestern! Da war ich noch im südlichen Baden-Württemberg unterwegs und habe dort noch ein bisschen recherchiert.

Wie ist es denn als Parteiloser im Europäischen Parlament zu arbeiten? Und was machen Sie dort genau?

Zuerst einmal: als Parteiloser zu arbeiten hat einen riesengroßen Vorteil, da man nicht an die Parteipolitik gebunden ist und tatsächlich seinem Gewissen folgen kann. Es schreibt einem niemand etwas vor. Die Schwerpunkte meiner Arbeit sind: Tierschutz, Umweltschutz, Menschenrechte und Agrarpolitik.

Sie waren früher Mitglied der Tierschutzpartei, weswegen sind Sie dort ausgetreten?

In den ersten sechs Monaten, in denen ich in Brüssel tätig war, hatte ich natürlich nicht die Zeit, mich um die Partei zu kümmern. Da ist es zu einer Rechtstolerierung gekommen und wie Sie vielleicht wissen, ich bin nicht nur Tierschützer, sondern auch Tierrechtler. Das verträgt sich absolut nicht mit einer Rechtstolleranz. Dann habe ich meine Kollegen in der Partei vor die Frage gestellt: ‚Was ist Euch lieber? Mit dubiosen Rechten zusammen zu arbeiten oder mit mir?‘ Ich war ja immerhin sieben Jahre lang Parteivorsitzender. Die Damen und Herren haben sich halt für die Rechten entschieden.

Sie sind ja auch der Einzige, der aus der Tierschutzpartei ins Europäische Parlament gekommen ist.

Richtig.

Wie oft wird im Europäischen Parlament getagt?

Irgendetwas wird immer getagt. Ich bin in etlichen Ausschüssen. Ich bin stellvertretendes Mitglied im Agrarausschuss und stellvertretendes Mitglied im FAM Ausschuss sowie Vollmitglied im Umweltausschuss. Jede Woche finden Tagungen und Sitzungen statt. Zusätzlich bin ich in der Chinadelegation und der Asiendelegation in der Nord- und Südkoreadelegation, also es läuft andauernd etwas. Eine ständige Hetzerei von einem Sitzungssaal in den anderen.

Belebtes Gespräch – wenn Stefan Eck von seinen Recherchefahrten erzählt, wird es oft emotional. Foto: Sema Selin Tasci

Das klingt nach einer Menge Arbeit?

Ich arbeite pro Tag zwischen zwölf und 14 Stunden. Von den vier Wochenenden im Monat, sind im Schnitt zwei belegt für Demonstrationen oder Recherche. Als wir zum Beispiel vor drei Wochen in Kroatien und Slowenien waren, das war eine haarige Sache. Ich bin momentan Shadow-Reporter bei einem Implementierungsbericht für Lebendtiertransporte. die nicht den EU-Regeln entspricht und dennoch nichts dagegen unternommen wird.
Es ist bekannt, dass die Tiertransporte nicht in Übereinstimmung mit den europäischen Regelungen stattfinden und unsere Kommissarin, die dafür zuständig ist, schickte vor ungefähr acht Wochen ein Schreiben, in dem es hieß: Die Lebendtiertransporte sind seiner Überprüfung nach zu 100 Prozent in Übereinstimmung mit den EU regeln. Da hab ich mir gedacht, ich fahre mal dort hin. In einem Hafen von Slowenien habe ich selbst Temperaturmessungen an den LKWs vorgenommen. Die Höchsttemperatur, die nach EU Regelung eingehalten werden muss, wurde dabei nicht eingehalten. Die Tiere wurden dort mit über 40 Grad transportiert – erlaubt sind maximal 40.
Eine halbe Stunde später kam die Slowenische Polizei und hat uns am arbeiten gehindert, hat gedroht uns zu inhaftieren und hat mir den Ausweis abgenommen. Ich musste 200 Euro Strafe zahlen.
Es ging weiter nach Kroatien und was ich dort gesehen habe, wird ein Skandal werden.

Also die Polizei vor Ort weiß Bescheid, aber unternimmt nichts dagegen?

Ganz genau. Zwei Polizisten haben mir auch erzählt, dass sie dort die letzten zehn Jahre keinen einzigen Tiertransporter kontrolliert haben. Wir sagten den Polizisten, dass sie dazu verpflichtet sind, diese Wagen zu kontrollieren. Deren Antwort war ein einfaches ‚Nö‘.

Haben Sie Ideen, wie sie dagegen vorgehen können?

Ja, also Schattenberichterstatter vom NV Ausschuss für diesen Report und ich werde sowohl die Kommissarin als auch den NV-Ausschuss und den Agrarausschuss mit diesem Videomaterial konfrontieren. Da muss Abhilfe geschaffen werden. Da kamen Rinder aus Litauen, also 1800 Kilometer bis nach Slovenien, dann mit dem Schiff aus Slowenien bis in den nahen Osten, um im Libanon oder Ägypten halal geschlachtet zu werden.

Welches Thema liegt Ihnen neben der Umwelt noch am meisten am Herzen?

Die Umwelt! Ich bin ich stolz drauf, dass es mir gelungen ist, dass das internationale Quecksilberabkommen auf EU-Recht umgeschrieben werden musste. Es darf kein Amalgan mehr an Schwangere oder Kinder verabreicht werden, das haben sie mir zu verdanken. Quecksilber gelangt in die Umwelt und ins Meer und im Endeffekt durch Fisch zum Verbraucher. Es gibt Alternativen zum Amalgam. Wir müssen gucken, dass wir weg kommen von diesem Tonnenverbrauch an Amalgam.

Wir haben gehört, im Europa-Parlament gibt es drei Spitznamen für Sie…

Das ist richtig. ‚Mister Animal Wellfare‘, weil ich mich wirklich für Tiere einsetze. ‚Red Rabbit‘, weil ich mich für Kaninchen einsetzte. Es gibt nämlich keinerlei Gesetze zum Schutz von Kaninchen. Weil mein Gesetzesvorschlag bei der zuständigen Kommissarin nicht wirklich angekommen ist sagte ich ihm eins: Ich werde die Kaninchenfirmen innerhalb der nächsten fünf Jahre in den Bankrott treiben. Innerhalb von zehn Monaten verzeichnete der Kaninchensektor den größten Rückgang in der Geschichte – 7,2 Prozent europaweit, in Italien 12 Prozent und Frankreich 10 Prozent.

Das ist ein Erfolg – jetzt müssen Sie uns nur noch ihren dritten Spitznamen verraten, denn bisher waren es nur zwei.

The living legend.

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