Lander: „Wir müssen wieder rebellischer werden“

#EPjugendforum

Wenn Dennis Lander als Politiker für Die Linke im Landtag des Saarlandes sitzt, gehört er zu den jungen Abgeordneten. Mit gerade eimal 24 Jahren kennt er sich deshalb besonders gut mit jungen Themen aus. Elisa Peehs hat mit ihm über seine Arbeit und die aktuelle politische Situation gesprochen. 

Dennis Lander (Die Linke) vor dem Interview im Plenarsaal mit po-Redakteurin Elisa Peehs.                                                                                                                                   Foto: Michelle Grebe

Guten Tag Herr Lander. Oftmals wünscht sich die Jugend etwas von der Politik. Ich wollte Sie zu Beginn fragen, was Sie sich von der Jugend wünschen oder welche Forderung Sie an die Jugend haben ?

Generell finde ich, dass die Jugend von Heute informierter ist und sich viel mehr beteiligt, als ich das ursprünglich erwartet hätte. Wenn hier Schülergruppen zu Besuch kommen, wie beispielsweise bei Podiumsdiskussionen hier im Landtag und im Anschluss mit den Fraktionen reden, sind Schüler meistens super darauf vorbereitet. Sie haben Zeitungsartikel dabei und sind zum Beispiel auch über die AfD gut informiert. Das muss man erst mal zur Kenntnis nehmen und sagen, dass es sehr gut ist. Nichtsdestotrotz muss das Interesse für Demokratie gestärkt werden. Die jungen  Leute müssen sich engagieren. Das fängt schon in politischen Verein an, in  dem man die ersten demokratischen Strukturen kennen lernt. Und so sollte dann das demokratische Denken und Handeln verinnerlicht werden.

Sie sind erst seit 2015 in der Politik tätig und mit 24 der jüngste Abgeordnete. Ich wollte wissen, ob Sie schon mal auf Probleme gestoßen sind, zum Beispiel durch diesen Altersunterschied?

Am Anfang hatte ich schon befürchtet, nicht richtig ernst genommen zu werden, aber das ist im saarländischen Landtag nicht so. Mit den anderen Parteien ist alles eher kollegial –  abgesehen von der AfD. Bis jetzt hatte ich nicht das Gefühl, dass meine Standpunkte nicht ernst genommen werden. Manchmal gibt es den ein oder anderen hämischen Kommentar, aber dies erfolgt eher außerhalb des Parlaments. Bisher hatte ich in der Hinsicht noch keine Probleme.

Die Gesamtbevölkerung beschwert sich oft oder ist unzufrieden, aber trotzdem wollen sich die meisten nicht politisch engagieren und lassen ihren Frust auf anderen Wegen freien Lauf – wie beispielsweise in Internet-Foren. Woran liegt es Ihrer Meinung nach,  dass Politik immer unbeliebter wird und über die Jahre hinweg ein so negativ besetztes Wort geworden ist?

Wir hatten um 2011 herum eine Phase, in der Politik generell uninteressant geworden ist und man von einer gewissen Politikverdrossenheit gesprochen hat: Ich denke aber, dass mit der AfD  diese Verdrossenheit zurückgegangen ist und die Leute wieder viel mehr Interesse zeigen – zum Einen. Zu dem Anderen, wie diese Unzufriedenheit entsteht: Ich denke, dass hat sehr viel mit der Sozialpolitik zu tun. Wenn die Menschen Angst haben, ihren sozialen Status zu verlieren oder ein sozialer Abstieg droht, weil beispielsweise die Renten, die zu niedrig sind oder viele von der Altersarmut bedroht sind, sammelt sich viel Frust an. Kommen dann noch Ereignisse hinzu wie zum Beispiel die Flüchtlingskrise, führt das schnell zu einer Debatte nach dem Motto „Die nehmen mir was weg“,  obwohl das gar nicht stimmt. Die Rentner und Rentnerinnen haben vor der Flüchtlingskrise auch nicht mehr Geld in der Tasche gehabt, aber trotzdem entsteht diese Meinung. Dagegen kann man nur vorgehen durch eine bessere soziale Politik, indem man die Renten sicherer gestaltet oder höheren Mindestlohn zahlt, so dass man später nicht mehr von dieser Altersarmut betroffen ist.

Wie ist Ihre Meinung zu den aktuellen Geschehnissen in Chemnitz? Was wünschen Sie sich von jungen Leuten, wie sollten diese sich zu dem Thema positionieren? Würde es helfen, auf die Straße zu gehen oder sollte man sich am besten raus halten?

Auf die Frage hin, wie sollte sich die Jugend positionieren, denke ich,  wir müssen in dem Punkt viel rebellischer werden und viel mehr auch wieder auf die Straße gehen. Bei den Vorfällen in Chemnitz wurden Neonazis mobilisiert, die teilweise aus dem gesamten Bundesgebiet kamen. Dadurch hatten wir ein riesiges Gefälle. Es waren mehr rechte Demonstranten und Demonstrantinnen als Vertreter für die Gegendemo vor Ort. Das ist natürlich nicht so gut, aber heute findet ein großes Konzert statt, wo unter anderem Kraftklub, KIZ und die Toten Hosen spielen. Ich denke, dass ist eine sehr gute Aktion, um Menschen zu mobilisieren und auch wichtig für das Image von Sachsen, um zu zeigen: wir sind nicht alle so!

Sie sind Sprecher in der Kommission für Drogenpolitik und fordern die Legalisierung von Cannabis. Woher denken Sie, rührt die große Uneinigkeit unter PolitikerInnen und auch der Bevölkerung in diesem Thema?

Ich denke, in der Drogenpolitik brauchen wir allgemein einen Paradigmenwechsel. Momentan überlassen wir eigentlich die Märkte kriminellen Strukturen, die unreine Drogen in Umlauf bringen und somit am Ende vielleicht die Gesundheit einer Person schädigen. Wir sind bei Cannabis schon ein wenig weiter als bei anderen Substanzen. Dennoch warten wir auf die Entkriminalisierung als ersten Schritt. Weiterhin sind sich alle Parteien einig, dass wir diese Entkriminalisierung – zumindest bei Cannabis – vornehmen. Momentan wird dies nur von der Union und der AfD blockiert. Aber ich gehe davon aus, dass wir hier eine sehr aufgeklärte Gesellschaft haben und dass wir eine Änderung in den kommenden Jahren erleben werden.

 

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