„Macht euch und anderen bewusst, dass man Sorgen niemals lösen kann, indem man andere ausgrenzt.”

In der print-Ausgabe der politikorange zum Thema Rassismus findet ihr kurze Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Jugendorganisationen der Parteien. Hier auf dem Blog gibt es ausführlichere Antworten.

Max Lucks (20) ist Bundessprecher der Grünen Jugend. / Foto: Erik Marquardt.

Was sind die Probleme unserer Zeit?

Ich finde es gut, dass ihr nach den „Problemen“ und nicht nach dem einen „Problem“ fragt. Es gibt eine Menge von Herausforderungen in unserer Zeit. Etwa die industrielle Entwicklung – was machen wir politisch aus Globalisierung und Digitalisierung? – oder der Kulturkampf zwischen Menschenrechten und Rechtsextremen.

Welche Rolle spielt Identität für Dich?

Wenn ihr 100 Sozialwissenschaftler nach einer Definition für Identität fragt, bekommt ihr 100 verschiedene Antworten mit 250 Widersprüchen. Ich glaube, dass Identität etwas sehr Individuelles ist. Es geht hier um die Fragen: Womit identifiziere ich mich? Mit wem fühle ich mich verbunden? Aber weil Identität etwas so Individuelles ist, sollte die Politik da nicht reinreden und den Menschen eine Leitkultur oder Ähnliches aufzwingen. Stattdessen geht es doch darum, wie konkrete politische Antworten gefunden werden. Wer bei der Tafel ansteht, braucht eine Lösung und keine Identitätsvorgaben.

Wie entsteht Rassismus?

Rassismus hat viele Ursachen. Eine Ursache ist es sicher, wenn Gruppenidentitäten gegeneinander ausgespielt werden. Wenn ein „Wir“ erzeugt wird und das gegen ein „Ihr“ ausgespielt wird, dann trägt das zu Rassismus bei. Genau das versuchen ja die Rechten zurzeit. Sie sagen: Wenn ihr an der Tafel ansteht, dann sind die Ausländer daran schuld. Dabei sind gar nicht die Ausländer schuld, sondern eine Politik, die den Sozialstaat immer weiter abgebaut hat. Rassismus spaltet und gibt Scheinlösungen. Ernsthafte politische Antworten gibt es nur ohne Rassismus, doch diese Antworten müssen wir dann auch geben!

Was tut Deine Jugendorganisation gegen Rassismus?

Wir engagieren uns, wir gehen auf Demos, in die Bündnisse und dorthin, wo es weh tut. Erika Steinbach würde uns wahrscheinlich dem „Antifa e.V.“ zurechnen (lacht). Aber wir entlarven eben auch rechte Argumentationsstrategien: Wir wollen zeigen, dass es nur spaltende Scheinlösungen sind, die von den Rechten angeboten werden. Und wir wollen die echten politischen Lösungen bieten. Eine echte politische Lösung ist es nämlich nicht, dem Rechtsruck hinterherzulaufen. Genau das tut die große Koalition mit einem Heimatminister Seehofer und weiteren Verschärfungen des Asylrechts. Wir stellen uns dem entgegen!

Was willst Du unseren Leserinnen und Lesern zum Thema Identität und Rassismus noch mitgeben?

Steht gegen Rassismus auf, wo er euch begegnet. Lasst der Ausgrenzung von anderen keinen Platz und zeigt den Menschen in der Kneipe, in der Uni, in der Schule oder wo auch immer, dass ihr es nicht hinnehmt, wen „Wir“ gegen „Ihr“ ausgespielt wird. Und zeigt, dass man von den Rechten keine politischen Antworten erwarten kann. Macht euch und anderen bewusst, dass man Sorgen niemals lösen kann, indem man andere ausgrenzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Menü