“Jeder respektiert den anderen”

#jmt17

Naseh Qutaisch kommt aus Syrien und hat an der politikorange-Redaktion bei den Jugendmedientagen 2017 teilgenommen. Er berichtet über die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und seinem Heimatland.

Seit anderthalb Jahren bin ich in Deutschland und ich möchte von kulturellen Unterschieden zwischen Syrien und Deutschland berichten. Aus meiner Vorstellung von Deutschland ist jetzt, anderthalb Jahre später etwas ganz anderes gewachsen als ursprünglich gedacht: Ein neue Beziehung und viele neue Freundschaften. Wir kommen immer wieder zusammen – egal, ob zum Helfen, privat, bei Feiern, bei Ausflügen. Die in den Medien gerne erwähnte Integration ist bei uns kein großes Thema. Jeder respektiert den anderen oder die andere. Weil das aber am besten geht, wenn man einander versteht und ein paar Hintergründe kennt, wo genau denn die kulturellen Unterschiede liegen, berichte ich darüber, was Deutschland und Syrien unterscheidet.
In Syrien gab es vor dem Krieg mehrere Religionsgemeinschaften, die friedlich miteinander umgegangen sind.

Kein Weihnachtsfest, aber geschmückte Bäume

Die größte Gruppe waren Muslime und Musliminnen gefolgt von Christinnen und Christen, Jüdinnen und Juden, Alawitinnen und Alawiten, Drusen, Jesidinnen und Jesiden. Musliminnen und Muslimen war erlaubt, in christlichen Kirchen zu beten und umgekehrt.
Im Islam selbst gibt es kein Weihnachtsfest (Jesus wird als Mensch und Prophet Gottes angesehen und nicht als sein Sohn) und entsprechend auch keine Christbäume. Trotzdem gibt es in Syrien an großen öffentlichen Plätzen diese geschmückten Bäume.
In Deutschland gibt’s viele Frauen, die arbeiten zum Beispiel im Supermarkt oder als Taxifahrerinnen und so weiter. In Syrien ist das nicht so.
Warum aber arbeiten in Syrien weniger Frauen als in Deutschland?
Bei der Arbeit wird es (notgedrungen) auch Kontakt mit Männern geben, weil es viele gesellschaftliche Normen und Gewohnheiten gibt. Aber: Im Islam ist es den Frauen nicht untersagt, auch mit Männern zu arbeiten – mit der Bedingung, einen gewissen Abstand im Umgang an den Tag zu legen. Dazu gehören Begrüßungen und Berührungen. In Deutschland können sich Männer und Frauen umarmen. In Syrien können Männer sich die Hände schütten oder sich umarmen, ebenso Frauen untereinander. Nur Berührungen zwischen den Geschlechtern sind üblicherweise nicht gern gesehen.
Die deutsche und syrische Kultur haben natürlich Unterschiede. Aber letztendlich sind wir alle Menschen. Wenn man einander kennenlernt und einander zuhört, kann man den anderen verstehen.

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