CDU-Wahlabend: Alles wie erwartet

#poBTW17

Linda Göttner wollte sehen, wie die politische Spitze Deutschlands dem abzusehenden Sieg der Bundestagswahlen entgegenfiebert und sich dann selbst feiert. Dafür besuchte sie den Wahlabend der CDU in Berlin.

Die CDU feiert den Wahlabend 2017 im Festzelt vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Foto: Linda Göttner

Mit mir steigt Bonnie aus dem Bus, die als Reinigungskraft bei dem CDU-Wahlabend der Bundestagswahlen 2017 arbeitet. Wir beide suchen den Eingang. Wir fragen zwei Anzugträger, die einen Security-Ausweis um den Hals hängen haben. Sie sagen, wir müssen noch um den gesamten Block, alles sei abgesperrt. Vor dem Konrad-Adenauer-Haus ist ein weißes Festzelt aufgebaut, wie beim Schützenfest nur mit Teppich. Bonnie verschwindet im Mitarbeitereingang, ich entdecke den Presseeingang. Nach einer ausgiebigen Sicherheitskontrolle bahne ich mir meinen Weg durch das gut gefüllte Zelt. Vorbei an echten Birken, die zur Dekoration im Zelt aufgestellt wurden; immer auf der Hut, in der Enge keinen Kellner anzustoßen oder durch eine Kameraaufnahme zu laufen. Die Menschenmasse scheint zur Hälfte aus internationalen Presseteams und CDU-Gästen, die sich auf die Hochrechnung mit Wein oder Bier einstimmen, zu bestehen. Auf der einen Seite bedienen sich Leute mit innovativen Burgern, auf der anderen mit traditionellen Brezeln. Die Stimmung ist unaufgeregt, die CDUler sind sich des Sieges sicher.

Auf der anderen Seite führt eine Öffnung aus dem festlichen Zelt zu Containertoiletten für Frau und Mann. Hier treffe ich Bonnie wieder, die die Gäste des Wahlabends als sehr angenehm empfindet. Unerkenntlich in schwarzer Regenjacke verschwindet sie zum Putzen in einer Toilettenkabine. Auch ich nehme den Abend wie erwartet als gesittet wahr, eher als unaufgeregter Weinausschank statt als Party der alten und wahrscheinlich neuen politischen Spitze Deutschlands.

Keine Angst vor dem Wahlergebnis

Wieder zurück im Zelt will ich erfahren, was sich die CDU-Anhänger von dem Wahlergebnis erhoffen, dafür muss ich erst Mal ausmachen, wer einer ist. Viele stehen etwas befangen am Rand und geben sich als Angehörige zu erkennen. Doch dass die CDU den größten Stimmenanteil haben wird, scheint allen klar. Und alle wünschen sich weiterhin Angela Merkel als Kanzlerin. Vielmehr sind die CDUler gespannt, welche Koalition am Ende zustande kommen wird. Philipp Buggisch (21), der in der Hochschulpolitik in Friedrichshafen aktiv ist, erzählt: „Ich erhoffe mir eine starke FDP, sodass eine Koalition mit der CDU zustande kommt und keine große Koalition.“

In der Schwäche der großen Koalition sehen nämlich manche den Grund des  Auftriebs der AfD. Maximilian Iberl (20), Student aus Karlsruhe, sagt: „Ohne große Koalition, gäbe es wieder eine starke Opposition, wodurch die Ränder geschwächt würden.“ Die einstige Randpartei AfD ist laut Prognose dabei nicht mehr so randständig, wie bei der letzten Bundestagswahl. Der erstmalige Einzug ins Parlament scheint gewiss. Den Gästen bereitet mehr der Einzug der AfD die größte Sorge, nicht der mögliche Sieg der CDU.

Sieg für die CDU

Kurz vor 18:00 Uhr haben die Vermutungen dann ein Ende und die Gäste versammeln sich vor den Bildschirmen im Zelt. Mit einem Countdown zählen sie dem Wahlsieg entgegen. Auf den Bildschirmen noch unentwickelte Balkendiagramme, unter den Gästen wird der Atem angehalten. Auch ich bin auf einmal aufgeregt, gespannt auf das Ergebnis der Wahlen. Als der Balken der CDU dann endlich in die Höhe schnellt und alle anderen übersteigt, bricht Jubel aus. Plötzlich strömen alle Journalisten in den Saal des Konrad-Adenauer-Hauses. Dort haben sich schon unzählige Kamerateams vor der Bühne und auf den Treppen postiert, um den besten Schuss darauf zu erlangen, was gleich passiert. Was passieren wird, kann ich nur erahnen, einen Ablaufplan habe ich nicht bekommen. Ich schaffe es, mich in die zweite Reihe vorzukämpfen. Ich befinde mich inmitten von Leuten aus der Jungen Union, die große Plakate mit Parolen wie „muttiviert“ in den Farben der Deutschlandflagge hochhalten. Ich schaffe es noch kurz Alexandra Zins (22) von der Jungen Union in Sachsen zum Wahlsieg zu befragen. Sie ist in bester Laune, hat heute sogar Geburtstag, relativiert ihre Freude über das Ergebnis dann aber doch: „Wir sind klar der deutsche Sieger, aber letztendlich ist das Ergebnis enttäuschend im Vergleich zu 2013.“ Denn die CDU hat im Vergleich 8,5 Prozent an Stimmen verloren.

Unser Gespräch bricht ab, als die Masse plötzlich beginnt, lauthals „Angie, Angie, Angie“ zu rufen. Ich fühle mich wie in einem Stadion, als erwarteten wir einen Popstar. Und dann kommt Angela Merkel durch einen Seiteneingang mit einer Entourage aus Spitzenpolitikern der CDU auf die Bühne. Lächelnd postiert sie sich unter dem Schild, auf dem „Die Mitte“ steht und wartet den lang anhaltenden Applaus ab. Sie beginnt ihre Rede sofort damit, den Stimmenanteil als „weniger als erhofft“ einzustufen und verweist auf die schwierige vorherige Legislaturperiode. Dennoch freut sie sich über den Sieg: „Wir sind die stärkste Kraft als CDU und CSU. Wir haben einen Auftrag, eine Regierung zu Bilden.“ Der Saal ist nun ruhig und lauscht gebannt. Als sie ergänzt: „Gegen uns kann keine Regierung gebildet werden“, bricht großer Jubel aus. Nach knapp zehn Minuten verlassen Angela Merkel und die anderen Spitzenpolitiker wieder den Saal.

AFD-Ergebnis trübt die Stimmung

Die gute Stimmung hat sich auch auf das Festzelt übertragen. Zwar ist nicht wirklich Party-Laune angesagt, die Gäste oft im karierten Sakko stoßen wieder mit Wein und Bier und essen weiter. In kleinen Gruppen werden mögliche Koalitionen diskutiert und man ärgert sich über das Ergebnis der AfD. Auf den Bildschirmen wird die Meldung übertragen: Die SPD will auf keinen Fall eine große Koalition bilden. Dies erfährt sofort Zustimmung im Zelt. Auch Florian Daxberger (18), Parteimitglied aus Bayern, sagt: „Ich finde es gut, dass die SPD in die Opposition gehen will. Mit einer großen Koalition könnte keine weitere Regierungsarbeit geleistet werden, weil sich im Wahlkampf deutlich gezeigt hat, dass die SPD und die CDU auch in ihren Themen sehr weit auseinanderdriften.“ Wie die meisten trägt er einen silbernen, zeigefingergroßen Anstecker seiner Partei am Sakko.

Trotz der positiven Stimmung, liegt aber ein Thema wie Blei in der Luft: der Einzug der AfD in den Bundestag. Die Prognosen haben es vorhergesehen, trotzdem betrübt das Ergebnis der Wahlen viele. Denn die AfD hat die Fünf-Prozent-Hürde mit 13 Prozent überwunden. Auf den Bildschirmen werden bereits Korrespondenten von der Gegendemonstration in Berlin übertragen. Mit einer Mischung aus Euphorie und Resignation unterhalten sich die Gäste noch etwas über das Ergebnis, einige verlassen die Party bereits.

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