Ungehört, ungesehen, verdrossen?

#KJD17

Dass junge Menschen viel Zeit im Web verbringen, merkte zuletzt auch Angela Merkel. Am 26. August gab sie vier YouTuberinnen und YouTubern ein Interview. Reicht das, um die Jugend für Politik zu begeistern? Ein Bericht von Christina Mikalo.

Leere Plätze

Gähnende Leere bei politischen Veranstaltungen? Das hat seine Gründe. / Foto: politikorange

 

Junge Menschen sind heute der Politik gegenüber misstrauisch: Die europaweite Studie „Generation What?“ hat ergeben, dass 71 Prozent der 18- bis 34-Jährigen kein Vertrauen in die Regierung haben. 27 Prozent misstrauen ihr sogar völlig. Dass Merkel mit ihrem Auftritt also junge Wählerstimmen fangen konnte, ist zu bezweifeln.

Woher kommt die Politikverdrossenheit? Laut der 2015 erschienenen Shell-Studie sind vor allem die etablierten Parteien betroffen: Mehr als zwei Drittel der befragten 15- bis 24-Jährigen fühlen sich und ihre Interessen von CDU, SPD und Co nicht vertreten.

Politik machen die Alten

Ein Grund dafür könnte sein, dass vor allem die Generation der „Babyboomer“ Politik macht: Das Durchschnittsalter eines Bundestagsabgeordneten liegt bei rund 50 Jahren. Junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren – die immerhin 14 Prozent der Gesellschaft ausmachen – haben kaum Einfluss auf politische Entscheidungen.

Eine Karriere in der Politik kostet Zeit. Um in den Bundestag zu kommen, ist oft jahrelange Arbeit in einem bestimmten Wahlkreis nötig. Die heutigen Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse zwingen junge Menschen jedoch häufig dazu, von einem Ort zum anderen zu ziehen. Die Folge: Sie engagieren sich lieber flexibel in Projekten und Initiativen. Dort haben sie oft auch die Möglichkeit, sich inhaltlich einzubringen – was in Parteien nicht immer der Fall ist. Statt Expertise und Ideen belohnten Parteien nicht selten „jahrelanges Plakate aufhängen, Würstchen braten und gemeinsames Bier trinken im Ortsverband“, schreiben Lisa Altmaier und Steffi Fetz von der Plattform crowdspondent.

Doch wenn weiterhin nur die Alten an der Macht bleiben, werden sich die Jungen wahrscheinlich weiter von der Politik abwenden. Dabei fehlt es ihnen nicht an Ideen. Auf dem Kongress junger Demokrat_Innen haben wir uns einige davon erzählen lassen.

Was ist deine politische Vision?

Mahdi findet, dass es die außenpolitischen Beziehungen gestärkt werden sollen: „Momentan ist das eine Katastrophe. Jedes Land ist gegen ein anderes.“

Judith sagt, dass sich die Parteienstrukturen ändern sollten. „Man müsste einfacher in die Parteien kommen; es sollte weniger Bürokratie geben. ThinkTanks könnten neue Impulse liefern. Wichtig ist, dass alle Bürgerinnen und Bürger miteinander arbeiten und sich beteiligen.“

Aimé-Jipsy hat zum Thema Zukunftstraum folgendes zu sagen: „Meine politische Vision ist es, mehr Menschen in meinem Umfeld zu erreichen und weg von Vorurteilen, Rassismus, Rassentrennung und solchen Dingen zu kommen. Meiner Meinung nach ist für Rassismus kein Platz in der Gesellschaft. Deutschland sollte ein Ort der Toleranz und Gemeinschaft werden.“

Lena wünscht sich, dass die Politik Offenheit und einen respektvollen Umgang miteinander fördert. „Man sollte Menschen mehr zuhören und kontroverse Gespräche führen. Auch in puncto Syrien sollte man auf einen Nenner kommen. Momentan habe ich das Gefühl, dass die Politik wie ein Wollfaden ist, der sich immer mehr zusammenzieht. Irgendwann kann man ihn nicht mehr auflösen.“

Schaut euch zu diesem Thema auch unsere Umfrage an. Wir wollten von den Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmern wissen: Fühlst du dich durch die Parteien gut vertreten?

 

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