No Hate Speech – So können Hassreden im Netz gestoppt werden

#JPT17

Hass ist keine Meinung – weder im realen Leben, noch im Internet. Dennoch sind Hasskommentare online sehr stark verbreitet. Wo liegt die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Extremismus? Wie geht man mit Rassismus im Internet um? politikorange spricht mit Sami David Rauscher über das #NoHateSpeechMovement.

Unterwegs im Gehen oder Sitzen: Kommentare im Netz begleiten junge Menschen überall.                   Foto: Johannes Kolb

Ignorieren ist Tolerieren

Hasskommentare im Netz gab es schon immer. Trotzdem tauchen sie aktuell immer häufiger auf. „Es ist ein durchaus präsentes Thema. Ich habe bemerkt, dass Angriffe im Internet sehr oft vorkommen, und das von den verschiedensten Seiten und Profilen“, erzählt Lukas (22), ein Teilnehmer der JugendPolitikTage. Einige Minuten Scrollen auf der Facebook-Timeline genügt schon, um hetzenden Kommentaren und Posts zu begegnen, die die Nutzerin oder den Nutzer zum Grübeln bringen. Meistens sind sie an Menschen gerichtet, deren Hautfarbe, Glaubensrichtung oder Herkunft sich von der Verfasserin oder des Verfassers des Posts unterscheiden. Aber wie reagieren, wenn man online rassistischen Sprüchen begegnet?

Lukas erinnert sich besonders an einen Facebook-Kommentar auf einer Hetz-Seite: „Ich habe mich einmal dazu entschieden, einen Post zum Thema Fremdenhass, der auf einer Facebook-Seite propagiert wurde, zu teilen und zu widersprechen. Im Gegenzug tut es auch dann echt gut, sich zu beteiligen. Freunde haben mich angeschrieben und dabei unterstützt.“

Beteiligen ist wichtig, denn Hetze setzt sich durch und wird toleriert, solange niemand etwas dagegen sagt, so das Kompetenzzentrum für den Jugendschutz im Internet (Jugendschutz.net). Dennoch fehlt vielen Menschen der Mut, sich gegen solche Kommentare stark zu machen. Dabei ist genau dieser Schritt wichtig, um gegen Hassreden im Internet anzukämpfen.

Sami David Rauscher, Gründungsmitglied der Bewegung #NoHateSpeechMovement, ermutigt Jugendliche, über Rassismus online zu diskutieren. Das Ziel des Projekts ist es, Menschen zusammenzubringen und gemeinsam Strategien gegen Hass im Netz zu entwickeln. Dadurch sollen Personen, die von Hate Speech betroffen sind, unterstützt werden. Doch bevor man eingreift ist es wichtig sich selbst zu schützen. Denn der Grund, Hetzer nicht zu melden, ist die Angst, erklärt Jugendschutz.net. Jugendliche befürchten, dass sie im Netz nicht anonym bleiben, wenn sie gegen Hetzer ankämpfen. Sie möchten nicht in den Fokus solcher Gruppen geraten.

Samis Nachricht lautet: Lasst euch nicht abschrecken! Er schlägt Jugendlichen vor, erst einmal im kleineren Kreis anzufangen. Zu Beginn geht es also darum, innerhalb des Freundes- und Verwandtenkreises zu diskutieren. „Manchmal ist es auch nur Unwissen, und da ist es nicht schlimm sich auszusprechen und die Leute sind eher dankbar“, erklärt Sami und fährt fort, „aber wenn es allerdings beabsichtigt ist, muss es trotzdem diskutiert werden. Dann hilft es nicht, wenn es stehen bleibt.“ Allein die eigenen Freundinnen und Freunde auf Facebook bestimmen, was man auf der eigenen Startseite sieht. Die Timeline der Nutzerinnen und Nutzer besteht aus Beiträgen, die Freundinnen und Freunde nicht nur posten, sondern auch liken, teilen oder kommentieren.

Humor oder Hass?

Doch bevor eingegriffen wird, stellt sich einem die Frage: Ist das jetzt eine Meinung oder schon eine Hasspredigt?
Jugendschutz.net setzt sich dafür ein, Hate Speech auf sozialen Netzwerken aufzuheben. Dies geschieht unter anderem durch kontinuierliches Monitoring von Posts auf sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook oder Instagram. Tauchen unzulässige Inhalte auf, so werden Maßnahmen ergriffen, diese so schnell wie möglich aufzuheben. Doch so einfach wie es klingt ist es leider nicht. Die Grenze zwischen dem rechtlich Erlaubten und dem moralisch Bedenklichen ist oft sehr unklar definiert. Das Sympathisieren mit Adolf Hitler, das Verwenden des Hakenkreuzes oder die Verharmlosung von dem Holocaust illegal und Grund genug, den Post oder sogar das Profil der Nutzerin oder des Nutzers zu löschen. Jedoch sind die Grenzen zwischen Meinungsfreiheit und Hass nicht immer deutlich. Vieles kann als Satire oder schwarzer Humor gelten, oft kommt es auch auf den Hintergrund oder den Kontext des Posts an.

Wie Hate Speech online auftaucht

Hetzende Menschen nutzen alle Möglichkeiten, die ihnen gegeben werden. Seien es Social Media Strategien oder aber auch „alternative Quellen“ die ihnen unter anderem helfen, Falschmeldungen zu verbreiten. So werden Nachrichten umgeschrieben oder aus rechtsextremistischen Zeitungen zitiert und gepostet. Das Ziel ist ganz klar: Gezielt zu lügen -Und das mithilfe von Begriffen und Hashtags, die das Internet dominieren.

Was aber nur die wenigsten Hetzerinnen und Hetzer wissen, ist die Tatsache, dass sie sich oftmals strafbar machen. So sind Begriffe wie „Untermenschen“ gegen Geflüchtete oder Migrantinnen und Migranten illegal und gehören zur Volksverhetzung.

Sich trauen, Maßnahmen ergreifen!

Meistens hilft es schon, die Polizei auf einen strafbaren Kommentar aufmerksam zu machen. Und das ist auch ganz einfach: sie an der entsprechenden Stelle zu taggen! Die Polizei hat ein Social Media Team und sieht, wenn das passiert. So können Maßnahmen, wie beispielsweise eine Anzeige oder eine Strafverfolgung, ganz schnell durchgeführt werden.

Man kann aber auch erstmal nur die Hass-Inhalte melden: An Hotlines oder Provider wie ‚Notice and Take Down’ oder aber auch an Communities. Provider sollte man auf AGB-Verstöße aufmerksam machen, damit sie so schnell wie möglich gegen das Problem vorgehen können.

Und wenn nichts hilft, so Jugendschutz.net, ist es am besten, gemeinsam aktiv zu werden. Zusammen widersprechen, argumentieren oder auch eine ‚Patenschaft’ zu übernehmen und Löschwettbewerbe veranstalten, es ist alles möglich. Bekommt man als außenstehende Person mit, wie jemand von Hate Speech betroffen ist, sollte man natürlich auch mit dem Betroffenen solidarisieren und reden.

„Ganz viele Leute lesen still, obwohl vieles nicht unkommentiert bleiben sollte“, erklärt Sami der politikorange auf den JugendPolitikTagen. Sein Statement ist: Nicht automatisch weiter scrollen. Nachdenken, tippen, zusammen agieren! Es ist von heute auf morgen zwar nicht möglich, Hate Speech im Internet zu stoppen, aber es ist notwendig, bereits heute den ersten Schritt zu machen.

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