Hauptperson oder Nebenrolle? Jugend in der Politik

#up2youth

Politikverdrossen, gelangweilt und internetabhängig – die Berichterstattung über Jugendliche ist selten optimistisch. Zwar kommt auch die erste Jugendkonferenz der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen nicht ohne Hashtag aus, aber die Lebensläufe der Beteiligten zeugen von beeindruckendem Engagement. Helene Fuchs hat geprüft, wie es um die Beteiligung junger Menschen steht.

Sylvia Wittmer hält einen Vortrag

„Um gehört zu werden, muss man zuallererst den Mund aufmachen“, meint Sylvia Wittmer. Foto: Charles Lother

„Es gibt keine Jugendthemen, alle Themen sind Jugendthemen!“, meint Sylvia Wittmer, NGO Advisor beim deutschen Model United Nations (DMUN). 51% der aktuellen Weltbevölkerung sind jünger als 30. Diese Mehrheit wird jedoch von gerade mal 2% der Parlamentarierinnen und Parlamentarier weltweit repräsentiert. Daher engagiert Sylvia sich seit zehn Jahren dafür, mehr junge Stimmen auch außerhalb spezieller Jugendprogramme in die UN zu bringen. Obwohl die Zahl der Jugenddelegierten in diesem Zeitraum exponentiell gestiegen ist, sieht sie heute die Gefahr, dass junge Menschen zur Dekoration degradiert werden. „Jugendbeteiligung ist in der UN irgendwie hip geworden ist und man schmückt sich gern damit. Dadurch entsteht der Impuls: Ach, lass uns mal ein paar Jugendliche mit auf die Fotos einladen.“

Gehört werden

Gerade deswegen möchte Sylvia jungen Menschen vermitteln, dass ihre Erfahrungen und Meinungen gleichwertig sind und sie so zu Meinungsäußerung und Beteiligung motivieren. Das eigene Umfeld sei hier der ideale erste Anknüpfungspunkt – nach dem Motto „Global Goals Local Actions“. Dort kann der Grundstein für weiteres gesellschaftliches Engagement gelegt werden. Laut Sylvia ist dies ein zentraler Punkt der Jugendpartizipation.

Dass die Umsetzung optimistischer Beschlüsse für mehr Jugendpartizipation aber oft schwierig ist, erleben viele Teilnehmende der Konferenz. Obwohl sie sich in Stiftungen, der Gemeinde oder privat engagieren, haben viele das Gefühl: Um ernst genommen zu werden, braucht es mehr. „Oft merkt man, dass man eher unterschätzt wird. Man ist ja nur eine Jugendliche“, meint die Teilnehmerin Lara Weller. Angesichts steigender Umfragewerte für Populisten könne man sich zudem manchmal fragen, was die eigene Arbeit überhaupt bringe, ergänzt Johannes Frose, Presseverantwortlicher der YouthCon.

Mit einer Stimme sprechen

Neben diesen Zweifeln schimmert auch Hoffnung in den Gesprächen durch. Viele haben das Gefühl, Teil eines Fortschritts zu sein, der sich kontinuierlich zu mehr Einfluss bewegt. „Man muss vielleicht nicht immer darauf schauen, was am Ende des Tages auf dem Papier steht. Ganz viel von dem, was wir möglich machen wollen, wird sich erst in einigen Jahren auszahlen“, so Johannes‘ optimistische Sicht.

Dafür müsse die Möglichkeit zur politischen Partizipation bei der älteren Generation konkret eingefordert werden, erklärt Sylvia. Statt Konkurrenzdenken sei Wissens- und Erfahrungsaustausch wichtig, um Gemeinsamkeiten und Verbündete zu finden. Wenn Jugendliche mit einer Stimme sprächen, würden sie nicht so schnell abgewimmelt.

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