Das Kleinstadtdilemma

Zwischen Sexyness und Idylle: Die Kleinstadt hat viele unterschiedliche Gesichter. Anna Galda, Stadt- und Regionalplanerin, geht in ihrem Input beim zehnten Jugendforum auf Situation, Trends und Perspektiven von Kleinstädten ein.

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Kleine Stadt, was nun? Das Potential der Kleinstädte bleibt oft verborgen.

Laut Definition werden Städte mit 5000 bis 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern als Kleinstädte bezeichnet. Die Bevölkerungsdichte und die Einwohneranzahl sagen jedoch wenig darüber aus, was in der jeweiligen Stadt wirklich los ist, sagt Anna Galda. Es sei ein Trugschluss, davon auszugehen, dass es einer großen Stadt automatisch besser gehe als einer kleineren und andersherum.

Was für Trends zeichnen sich in der Kleinstadt ab?

Allgemein wird bei Trends in der Stadtentwicklung zwischen Wachsen und Schrumpfen unterschieden. Entwicklungstendenzen werden aus Indikatoren wie Bevölkerungsentwicklung, Wanderungssaldo, Gewerbegrundsteuern und Arbeitslosenquote berechnet. In Deutschland gibt es bei Kleinstädten unterschiedliche Trends. Es lässt sich nicht allgemein von einer Abwanderung in die Großstädte sprechen. Trotzdem verortet Anna Galda von der Bundestransferstelle Kleinere Städte und Gemeinden die Kleinstadt derzeit noch in einem Dilemma: „Zu unsexy für eine richtige Stadt und zu wenig idyllisch für ein Dorf.“

Wer wissen will, ob die eigene Stadt eher wächst oder schrumpft, kann dies mit der interaktiven Karte des Bundesministeriums für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) feststellen. Mithilfe dieser lässt sich jede deutsche Stadt und Gemeinde suchen und mit den zugehörigen Trends und Parametern verorten.

Was macht die Kleinstadt interessant?

Stadtplanung beschäftigte sich primär mit Großstädten – derzeit aber wächst ihr Interesse an Kleinstädten. Die Nähe zur Natur, ein gewachsenes Vereinsleben sowie gute kompakte Netzwerke und kurze Wege sind Vorzüge der Kleinstadt und bieten Perspektiven für die Zukunft. „Wenn Innovation, dann in der Kleinstadt“ – diese kontroverse Hypothese stellt Galda auf. Projekte sind durch geringeren Verwaltungsaufwand schneller umsetzbar, die Beziehungsnetzwerke ermöglichen es, Missstände und Lösungsvorschläge direkt zu kommunizieren. Im Endeffekt ist vieles eine Frage der Menschen und abhängig von denen, die als Initiatorinnen und Initiatoren oder als Angestellte in Stadt und Verwaltung fungieren.

Vielleicht ist es ein Marketingproblem, in dem die Kleinstadt steckt. Zwischen Großstadt und Landidylle wird der Blick auf die Kleinstadt selten auf die positiven Aspekte gerichtet und bleibt meist im angestaubten Image verhaftet.

 

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