Herr Blome, erzählen Sie doch mal

Auf dem BDZV-Kongress war dieses Jahr auch Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur Politik und Wirtschaft von Bild und bild.de, mit dabei. Sebastian Scheffel und Sabrina Winter fragten nach den Hürden der Internetkultur und der Zukunft der medialen Welt.

Nikolaus Blome teilt als gestandener Journalist seine Ansichten und Erfahrungen mit dem journalistischen Nachwuchs. Foto: Jonas Walzberg

Nikolaus Blome teilt als gestandener Journalist seine Ansichten und Erfahrungen mit dem journalistischen Nachwuchs. Foto: Jonas Walzberg

Herr Blome, wie zufrieden sind Sie mit der deutschen Zeitungs- und Magazinlandschaft? 

Eigentlich ziemlich zufrieden. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist sie sehr reichhaltig, gerade was das Regionale angeht. Da gibt es immer noch eine Menge Konkurrenz und das tut dem Geschäft und vor allem den Lesern gut.

Nutzen Zeitungen heute das gesamte Potenzial aus, das ihnen die neue Technik bietet?

Jeder versucht es auf seinem Weg. Nicht alle haben es wirklich geschafft, sich so zu digitalisieren, wie das für die nächste Generation von Lesern notwendig ist. Das große Problem ist, dass der wachsende Teil der Gesamtreichweite jener ist, der nicht oder nicht gut genug bezahlt wird. Bezahlte Inhalte auf Papier haben all die Jahre gute Ergebnisse gebracht, gehören jedoch zum schrumpfenden Teil der Reichweite, gerade für regionale, aber auch für überregionale Zeitungen. Die Frage ist also: Wie refinanzieren wir einen Journalismus, der die gesamte Reichweite bespielen soll, wenn nur ein Teil des Angebote so bezahlt wird, wie es das eigentlich verdienen würde.

Sehen Sie eine Lösung für dieses Problem?

Da muss jeder Verlag, jedes einzelne Blatt und jeder einzelne Auftritt für sich selbst schauen, wie es am besten klappt. Für manche sind es die Clubmodelle, wie bei BildPlus. Der Spiegel hat sich für ein anderes Modell entschieden, das mich an Blendle erinnert. Ich weiß wirklich nicht, ob das funktionieren wird. Aber ganz generell gilt: Je mehr dieser unterschiedlichen Modelle funktionieren, umso besser.

Gerade online schleichen sich immer wieder handwerkliche Fehler ein. Gilt der alte Grundsatz „get it first, but first get it right“ nicht mehr? 

Doch, der gilt! Er gilt, aber er wird gelegentlich durch handwerkliche Fehler durchbrochen. Das ist Mist. Das Geschäft ist schnell, das heißt aber lange noch nicht, dass schneller Journalismus schlechter oder gar defizitärer Journalismus sein muss.

In den vergangenen Monaten wurden der Presse gerade in Bezug auf die teils voreilige Berichtserstattung bei Anschlägen Vorwürfe gemacht. Wie kann man auch hier Sorgfalt wahren?

Ich glaube, bei einem Anschlag, wie etwa beim Münchner Amoklauf, ist es keine journalistische Option zu warten,  bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Das gilt sowohl für Online-Medien, als für Fernsehen und Radio. Dabei entsteht mitunter auch eine Art Live-Berichterstattung, mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen. Aber das weiß der Leser durchaus einzuordnen.

Wie viel muss für Medien online bezahlt werden, damit eine Qualitätssicherung des Inhaltes besteht?

Gute Journalisten müssen gut bezahlt werden. Leute, die gut arbeiten, die ihren Beruf gerne machen, die eine ordentliche Ausbildung haben sollen, brauchen ein auskömmliches Gehalt. Das gelingt auch in aller Regel. Aber wenn der Trend wie gerade beschrieben anhält, schrumpft der Kuchen, aus dem heraus Journalisten bezahlt werden.

Wie wird bei der Bild mit der Möglichkeit von Advertorials und Native Ads umgegangen?

Was wir an Werbung haben, ob im Print oder digital, muss als solche zu erkennen sein. Ganz klar! Bild ist als sehr, sehr gut verdienendes Medium in der Lage, auf diese Erkennbarkeit bestehen zu können. Ich wünsche keinem Medium das Gefühl, da Kompromisse machen zu müssen.

Sehen Sie in diesem Bezahlmodell eine Zukunft?

Ich bin bereit über jedes Werbemodell nachzudenken, solange diese Trennung für den Leser klar erkennbar wird.

Trägt unser Mediensystem dazu bei, dass jeder nur noch das konsumiert, was seine Meinung widerspiegelt und dadurch die Fähigkeit zur politischen Auseinandersetzung verliert? 

Das Medien-Nutzungsverhalten mancher Gruppen der Bevölkerung ist momentan so gepolt, sich nur noch im eigenen Silo zu unterhalten, zu informieren und informieren zu lassen. Das trägt zu einer inzestuösen Binnenkommunikation bei, die bestimmt keine breite Informiertheit produziert. Die Fragmentierung und Auffächerung der Medienlandschaft macht das möglich.

Bild und Bild.de leben von der bewussten Vereinfachung von Themen und Sprache – das kann zu Missverständnissen führen. Inwiefern fördert das die Lügenpresse-Vorwürfe?

Ich glaube, Vereinfachung und klare Sprache senken eher das Risiko von Missverständnissen. Ich glaube, wenn wir unsere Fakten richtig beieinander haben, ist es in einer so komplizierten Welt geradezu geboten, diese so klar und einfach wie möglich zu erklären.

Die Zukunft der Medien scheint in den Sternen zu stehen. Liest jemand in zehn Jahren noch Printzeitung? 

Aber ja. Ich bin fest davon überzeugt, dass es für jede Printauflage einen harten Kern gibt. Und ich glaube, dass neue Printprodukte gute Chancen haben, wenn sie klar auf eine bestimmte Zielgruppe zugehen.

 

Dem „Lügenpresse-Vorwurf“ sehen sich Journalistinnen und Journalisten derzeit häufig ausgesetzt. Wie gehen sie damit um ? Kurz & Saftig mit Nikolaus Blome

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