Die Zukunft des Journalismus reloaded

Der Zeitungskongress beginnt...

Frisch polierte Fahrzeuge, maßgeschneiderte Anzüge der Experten und (wenigen) Expertinnen aus Verlagen, Forschung, Wirtschaft und der Politik, ein hektisches Durcheinander vor dem Eingang des Berliner Congress Centrums, dem bcc. Rund 500 Teilnehmende reisten von unterschiedlichen Städten an, um Antworten auf die Chancen der Digitalisierung, dem Verhältnis von Zeitungen und Politik zu bekommen und natürlich über den aktuellen Vorwurf der „Lügenpresse“ mitzudiskutieren. Die Zukunft des Journalismus steht auf dem Spiel. Ein Einblick von Nuray Hanim Atila.

Dresscode „Black“ ist heute die ungeschriebene Regel auf dem Zeitungskongress 2016. Gebrochen wird das nur durch farbige Krawatten, die eine lockere Seriosität schaffen. Das Klackern von High Heels ist kaum zu hören, denn der Anteil an Teilnehmerinnen ist sichtbar gering.
Nach der Taschenkontrolle begeben sich viele Teilnehmende zum Empfang, wo alte Gesichter wiedererkannt, aber auch neue Bekanntschaften geschlossen werden. Die Befürchtungen der letzten Monate liegen spürbar in der Luft: Ist die Medienlandschaft im Umbruch?

26. September 2016 – 14.00 Uhr

Der Gong erschüttert die Wände des Congress Centrums und die Teilnehmenden eilen zum Saal, gespannt auf die erste öffentliche Rede des neuen BDZV-Präsidenten Dr. Mathias Döpfner. Jeder Platz ist belegt und eine gar nervöse Stille setzt im Saal ein, der den Vergleich zu „Raumschiff Enterprise“ alle Ehre macht.
Die Handys werden gezückt und die ersten Hashtags für Twitter vorbereitet. Die Scheinwerfer werden auf die Bühne gerichtet, wo Dr. Mathias Döpfner prophezeit, dass auf die Modernisierung der Zeitungsbranche gesetzt werden müsse. „Sind wir die Kutschenherrsteller von gestern oder die Autobauer der Zukunft?“, fragt Dr. Döpfner herausfordernd in die Menge. Durch analoge und digitale Medien kombiniert könne die Reichweite „mehr denn je“ erweitert werden.

Wie Dunkle Mächte geißelte Döpfner die großen Sozialen Medien, die nichts von ihren Gewinnen an die Verlage abgeben würden. Internetseiten, die ihre Inhalte wie Piraten abjagen und selbst vermarken würden. Die ganze böse Online-Welt scheint sich gegen die guten Verlagshäuser verschworen zu haben, die Welt ist schlecht zu ihnen. Aber der Heiland Döpfner weiß die Antwort, den Weg aus dem Dunkeln. Etwas, worauf die Verlage bisher noch nicht gekommen waren und wie die Botschaft aus einer anderen, einer jüngeren Zeit klingt: Die Verlage müssen sich den Veränderungen anpassen. Eine unfassbare Erkenntnis. Die Verlage müssten mit der Zeit gehen – sonst gehen sie mit der Zeit, sagt Döpfner. Die Zukunft des Journalismus muss also reloaded werden. Wie das konkret aussehen soll und wie die im Anzug und im letzten Jahrhundert feststeckenden BDVZ-Männer (und wenigen Frauen) das realisieren sollen, diese Antwort blieb Heiland Döpfner leider schuldig.

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

 

Menü