Zeit, über Lohngerechtigkeit zu reden

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gerechter Kaffebecher_Maximilian Gens

„Männer zahlen heute mehr“, war am Tag der Offenen Tür der Bundesregierung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zu hören. Während Frauen den Becher Kaffee für einen Euro erhalten, kostet der „Männer-Kaffee“ 26 Cent mehr. Werden männliche Besucher im BMFSFJ benachteiligt? Oder ist gerade das für beiden Seiten fair?

In Deutschland verdienen Arbeitnehmerinnen durchschnittlich 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Um diesen Gehaltsunterschied auszugleichen, ist ihr Kaffeepreis auch um 21 Prozent niedriger. Am Beispiel des alltäglichen Kaffeekaufs verdeutlicht das BMFSFJ eine geschlechtliche Gleichstellung. Die Aktion soll Besucher zum Nachdenken über die sogenannte „Gender Pay Gap“ anregen. Der Austausch im Sitzcafé ist gewünscht, denn hier ist „Zeit, über Lohngerechtigkeit zu reden.“

Liegt es am Beruf?

Doch warum verdienen Frauen überhaupt weniger als ihre männlichen Kollegen? Typische Frauenberufe finden sich beispielsweise im Sozial- und Pflegesektor. Tätigkeiten in diesem Bereich werden meist niedriger vergütet als Berufe, in denen vorwiegend Männer arbeiten. „Steine zu heben wird bei uns besser bezahlt als Menschen zu heben“, bemängelt Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek. Das sei nicht richtig und müsse sich ändern, so seine Meinung. Das BMFSFJ möchte das Bewusstsein für diese Ungerechtigkeit schärfen.

Eine konkrete Forderung ist beispielsweise die Unterstützung bereits bei der Berufswahl: Jungen Frauen muss zum einen klar sein, welche Lohnunterschiede es in den verschiedenen Bereichen gibt. Ziel des BMFSFJ ist es daher, die Berufsberatung gesetzlich zu regeln. Zum anderen sollen Mädchen und junge Frauen darauf hingewiesen werden, welche Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten es gibt. Welche Optionen haben zum Beispiel berufstätige Frauen, die Mütter werden?

Lohn und Gesellschaft

Steht eine niedrigere Vergütung automatisch für einen geringeren Stellenwert der Frau in der Gesellschaft? Nicht immer ist Diskriminierung der Grund, warum Frauen schlechter entlohnt werden. Wichtige Aspekte sind, dass sie als Mütter oft in Teilzeit arbeiten oder Elternzeit nehmen. Auch deswegen besetzen Frauen vergleichsweise seltener Führungspositionen. Die biologische Rolle der Frau sollte jedoch keinen Nachteil darstellen. Ab wann können wir dann überhaupt von einem gerechten Lohn reden?

Lohngerechtigkeit steht hierbei auch im Zusammenhang mit Chancengleichheit. Nicht ausschließlich geht es darum, Frauen höher zu entlohnen nur weil sie diskriminiert werden. Wichtig ist, die gesetzlichen Bedingungen am Arbeitsplatz zu verbessern. Beispielsweise kann der Wiedereinstieg nach der Elternzeit erleichtert werden. Väter leisten durch die Bereitschaft für eine familienfreundlichere Aufteilung der Elternrollen einen wertvollen Beitrag. Auch sie können am Nachmittag mit ihren Kindern spielen, während die Mütter noch am Arbeitsplatz sind. Hier möchte das Ministerium das Bewusstsein stärken und Chancengleichheit schaffen.

Langfristig möchte das Bundesfamilienministerium dafür sorgen, dass Männer und Frauen gleichen Verdienst für die gleiche Arbeit erhalten. Es folgt dem Beispiel des „Equal Pay Day“. Dieser macht jährlich im März symbolisch auf den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Dabei werden die Tage abgezählt, an denen Frauen „umsonst“ arbeiten, während Männer von Jahresbeginn an verdienen. Die Kaffee-Aktion am Barista-Stand im BMFSFJ auf dem Tag der offenen Tür der Bundesregierung ist ein weiterer Schritt, die Notwendigkeit eines fairen Lohns für beide Geschlechter im Bewusstsein der Leute zu verankern.

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