Die digitale Kluft

In der Politikarena der ZukunftsTour Berlin kristallisierte sich digitale Kommunikation als zentrales Subjet und Möglichkeit der Armutsbekämpfung heraus. Vertreter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des Senats diskutierten mit Social-Entrepreneurs über innovative Technologien für die Entwicklungspolitik.

ZukunftsTour Berlin. Plakat vor dem Radialsystem. Foto: Corinna v. Bodisco

ZukunftsTour Berlin. Plakat vor dem Radialsystem. Foto: Corinna v. Bodisco

Der Staatssekretär des Berliner Senats, Henner Bunde, lobt die Hauptstadt in seinem Grußwort als „offene, tolerante und internationale Metropole, in der so viele Social Startups gegründet werden wie nirgendwo.“ Im selben Zuge erwähnt er das wirtschaftliche Wachstum der Hauptstadt: 3%. Diese Entwicklung sei ebenfalls den jungen Unternehmer*innen zu verdanken, weshalb innovative Ideen für entwicklungspolitische Partnerschaften gefördert und motiviert werden sollen. Da fragt sich die Zuhörer*innen, welche Rolle die Partner*innen in der Zusammenarbeit mit den wirtschaftsfördernden innovativen Unternehmen einnehmen. Sollte nicht davon hier die Rede sein?

(Digitale) Kommunikation als Menschenrecht

Günter Nooke, Afrikabeauftragter des Kanzleramtes, beginnt seine Rede mit einem Zitat von Nelson Mandela: „Im nächsten Jahrhundert [gemeint ist das 21. Jh.] wird die Fähigkeit zur Kommunikation ein grundsätzliches Menschenrecht sein.“ Der Unterschied zwischen den „Informierten“ und den „Uninformierten“ verschwindet – die Vorstellung von der digitalen Kluft zwischen „dem reichen Norden und dem armen Süden“ ist daher eine vereinfachte und überholte Darstellung. In Staaten wie Kenia, Bangladesh oder Bolivien entwickeln Unternehmer*innen gleichermaßen neue Lösungen und gehen dabei von ihren individuellen Situationen und Bedürfnissen aus. Informationszugang ist dabei der treibende Motor und umfasst alle Lebensbereiche. Kommunikation (als eine Art) übergeordnetes entwicklungspolitisches Thema meint nicht nur die Möglichkeit, miteinander zu chatten, sondern vor allem eine Infrastruktur, auf deren Basis Marktplätze entstehen.

Vierminütige Pecha Kuchas

Es folgen vier flotte vierminütige Pecha Kuchas junger Social Startup Unternehmer*innen:

Clara Lindner für Mobisol - plug in the world! Foto: Corinna v. Bodisco

Clara Lindner für Mobisol – plug in the world! Foto: Corinna v. Bodisco

• Clara Lindner von „Mobisol“ weist auf die mobile Revolution hin: „Jeder Mensch in Subsahara-Afrika hat inzwischen ein Telefon.“ Mobisol unterstützt diese Entwicklung mit ihren stromversorgenden Solaranlagen. Die schnell montierten Anlagen scheinen aufgrund ihrer Beständigkeit eine langfristige Lösung für die digitale Vernetzung zu sein.

„Kiron Open Higher Education“ ermöglicht Geflüchteten, ihr Studium wieder aufzunehmen. Nora Hauptmann betont die Relevanz der sozialen Integration, das die Bildungsplattform durch Mentoring unterstützt. „Jeder kann Mentor*in werden“.

• Marion Voldan stellt die Schweizer Plattform für Faire Mode „GET CHANGED!“ vor. Die Probleme in der Textilbranche sind bekannt, aber beim Einkaufen bleiben sie meist doch außen vor – zu anstrengend. Die Plattform hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen ein praktikables Tool anzubieten, das es erlaubt, mobil Läden zu finden, die nachhaltige Mode verkaufen.

• Der Kühlschrank, der durch Solarenergie kühlt ist clever, da viele Menschen über keinen Stromanschluss verfügen. Christoph Göller des Startups „Coolar“ meint, es ist nicht nur für den Erhalt von Lebensmitteln ein existentielles Bedürfnis kühlen zu können, sondern auch für medizinische Hilfsgüter. (Mehr über Coolar nachzulesen im po-Beitrag von Cora Gebel).

Google Luftballons als langfristige Lösung?

Die Politikarena schließt mit einer Diskussion, an der neben Moritz Eckert (betterplace lab), Vincent Zimmer (Kiron Open Higher Education) auch Sabine Frank (Google) teilnimmt und kurz das sich noch in der Testphase befindende Projekt „Loon“ vorstellt: Weit von jeglichem Internetzugang abgelegene Gegenden sollen durch die Ballons vernetzt werden. Diese werden dafür in die Stratosphäre geschickt. „Es kann nicht allein die Lösung sein, dass Google Luftballons schickt!“, kritisiert Vincent Zimmer und plädiert für langfristigere Lösungen. Die voranschreitende Zeit erlaubte allerdings keine Vertiefung der Sachverhalte und alle strömen zum Mittagsbuffet.

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