Wir leben in einer Welt

Deutschland ist eines der reichsten Länder dieser Welt. Doch, wie es in der Zukunftscharta stets groß geschrieben wird, es gibt nur EINEWELT. Darum trägt Deutschland eine besondere Verantwortung. Nimmt es diese auch wahr?

Bundesminister Dr. Gerd Müller beim Rundgang über die Zukunftswerkstatt. - Foto: Sebastian Stachorra

Bundesminister Dr. Gerd Müller beim Rundgang über die Zukunftswerkstatt.  Foto: Sebastian Stachorra

„Made in Germany“ ist weltweit ein Qualitätssiegel – auch wenn VW mit dem Abgasskandal und die Deutsche Bank mit dem Wertverfall ihrer Aktien jüngst anderes vermuten ließen. Deutschland verkauft viel in andere Länder – fast die Hälfte aller Waren, die in Deutschland erzeugt werden, landeten 2014 im Ausland.*  Und Deutschland kauft auch viel im Ausland ein.

Klar, Tee und Kaffee wachsen hier einfach nicht. Kleidung aber könnte in Deutschland hergestellt werden – nur wäre das viel teurer. Wie die Bedingungen sind, unter denen viele der in Deutschland angebotenen Klamotten entstehen, weiß inzwischen jede*r: ziemlich schlecht.

In der Politikarena bei der ZukunftsTour in Frankfurt ging es Bundesminister Dr. Gerd Müller darum zu zeigen, dass wir alle mit unserem täglichen Konsum Verantwortung tragen. Dabei käme es gar nicht darauf an, teure Produkte zu kaufen. 2 Cent. 2 Cent mehr pro Tafel Schokolade würde es den Familien der Kakaobauern ermöglichen, ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Gegenüber politikorange sagt der Minister:

„Jeder im Land muss verstehen, dass wir in EINER Welt leben. Unsere Produkte, die wir auf dem Tisch haben, Bananen, Obst, Kaffee, Tee, kommen im Wesentlichen aus Entwicklungsländern. Und wir zahlen häufig keinen fairen Preis. Die Menschen können vor Ort nicht leben, die Familien ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Und so kommen sie als Flüchtlinge zu uns. Es ist ein Kreislauf geworden und wir müssen uns einer neuen Verantwortung stellen.“ Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

In der Politikarena hat der Minister fair gehandelte Schokolade mitgebracht. Das soll wohl zeigen, dass es sie gibt, die richtigen Produkte. Und dass sie nicht schlechter sind als andere Produkte – im Falle der Schokolade bedeutet das: sie schmeckt genauso gut, wie jede andere auch.

Also: Wenn es so einfach ist, wieso ändern wir nicht unseren Konsum?

Das fragen auch Sandra und Carlotta. In der Politikarena dürfen sie nach der Rede des Ministers Fragen stellen. Sandra ist Unicef-Botschafterin, Carlotta war mit dem weltwärts-Programm ein Jahr in Nicaragua. Sie betonen, dass die persönliche Verantwortung beim Einkauf sie überfordert. Sie fragen, warum nicht auch auf anderer Ebene etwas getan wird. Warum nicht bei der Wirtschaft oder bei der Politik selbst angefangen wird.

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In seiner Rede betont der Minister: Wir alle tragen Verantwortung. – Foto: Sebastian Stachorra

Dieser Einwand ist nicht unberechtigt. So hat sich Deutschland beispielsweise bereits 1970 vorgenommen, 0,7% des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben. Und bekennt sich in regelmäßigen Abständen zu diesem Versprechen. Doch 2014 hat Deutschland nur 0,42% des Bruttonationaleinkommens ausgegeben – und das war ein Höchstwert. In konkreten Zahlen heißt das: 2014 hat Deutschland 12,486 Milliarden (also 12 460 000 000) € für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben. Hätte es sich an seine Vorgabe gehalten, wären es aber 20,81 Milliarden (also 20 810 000 000) € gewesen – mehr als 8 Milliarden € mehr …

Warum leistet Deutschland einen geringeren Beitrag als es eigentlich möchte?

Minister Müller erklärt politikorange:

„Weil noch viel zu wenige diese Zusammenhänge verstanden haben und meinen, dass wir hier Almosen geben müssen. Es ist in unserem ureigensten Interesse, dass wir auf eine faire Partnerschaft mit den Entwicklungsländern abstellen und diese entwickeln. Ansonsten werden wir einen hohen Preis dafür im eigenen Land bezahlen.“ Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Diese Aussage wiederholt Müller auch in seiner Rede. Er bemängelt, dass zu wenige Politiker*innen in Berlin Entwicklungszusammenarbeit ernst nähmen. Und er gesteht sogar: „Da sind andere weiter als die Union.“

Das Publikum in der Politikarena; vorne die Vertreter der Wirtschaft, weiter hinten die Schüler*innen. - Foto: Sebastian Stachorra

Das Publikum in der Politikarena; vorne die Vertreter der Wirtschaft, weiter hinten die Schüler*innen. – Foto: Sebastian Stachorra

Es ist also sowohl in der Politik als auch beim jedem Einzelnen noch Luft nach oben. Die Politik kann noch viel mehr Geld in die Hand nehmen, um partnerschaftliche Beziehungen zu Entwicklungsländern Wirklichkeit werden zu lassen. Und wir alle können beim Einkauf dafür sorgen, dass die Menschen, die für unsere Produkte arbeiten, von ihrem Lohn auch leben können. Hier und überall auf der EINEN WELT.

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