Willkommen auf Deutsch?

Schon wieder ein Doku-Film zum Thema Flüchtlinge? Zum Auftakt des 8. Jugendforums Stadtentwicklung zeigt Almuth Tharan vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen den Film „Willkommen auf Deutsch“ und liefert damit gleich den Stoff für die erste hitzige Diskussion des Abends.

Am ersten Abend sehen die Teilnehmer*innen den Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“

Am ersten Abend sehen die Teilnehmer*innen den Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“. (Foto: Benedikt Bungarten)

Mit „Willkommen auf Deutsch“ begleiten Carsten Rau und Hauke Wendler Anwohner*innen, Geflüchtete und Verantwortliche aus dem nierdersächsischen 415-Seelen-Dorf Appel bei der gemeinsamen Frage: Wo können Geflüchtete in Zukunft wohnen? Die ländliche Gemeinde soll 53 Flüchtlinge aufnehmen. Der Landkreis hat das so entschieden. Die Bürger*innen sind besorgt, protestieren, es gibt eine Bürgerinitiative.

„Die Filmemacher zeigen, was in der deutschen Provinz passiert, wenn abstrakte Fremde zu realen Nachbarn werden – oder zu werden drohen“, schreibt die ZEIT. Der Film bekommt durchweg gute Kritik, erhält das Prädikat besonders wertvoll.

Das Bild flimmert, auf der Leinwand von dem alten leerstehenden Pflegeheim, das das neue Zuhause von 53 männlichen Flüchtlingen werden soll. Davor ein Zaun voller Plakate. Schlagworte, die zu einer Bürger*innenversammlung rufen. Der Film begleitet die Anwohner*innen bei ihrer Sorge, zeigt, wie sich die Bürger*inneninitiative von Appel gegen den geplanten Umbau zu einem Asylheim bildet. Und nimmt auf der anderen Seite die Verantwortlichen aus dem Landkreis in den Blick, die die Aufgabe haben, Wohnraum zu finden und 20 Flüchtlinge pro Woche unterzubringen.

Mit dem Film besuchen die Teilnehmer*innen ganz unterschiedliche Orte

Der Film nimmt die Teilnehmer*innen mit an den Stammtisch, wo die Bürgerversammlung in der rappelvollen Kneipe in Appel stattfindet. Der Verantwortliche des Landkreises wirbt: Asylrecht ist Grundrecht. Er will die 53 Flüchtlinge hier unterbringen. Protest, empörte Zwischenrufe, lautes Klatschen, als der Sprecher der Bürgerinitiative das Wort ergreift: „Sie haben auch eine soziale Verantwortung für die Bürger*innen in Appel“. Statt der 53 Flüchtlinge will man nur zehn Flüchtlinge aufnehmen. Einen Platz dafür haben die besorgten Bürger*innen auch schon gefunden: Sechs Zimmer im Gasthof Deutsches Haus im Dorf. Mit geblümten Vorhängen, einfachen Betten, Kühlschrank und Dusche im Zimmer. Alles drin. Und immer wieder heißt es: Wir wollen die Menschen aufnehmen, aber… Wir sind offen für Fremde, aber 53 sprengen einfach den Rahmen. Aber.

Der Film zeigt auch engagierte Bürger*innen. Ingeborg Neupert, die im Nachbardorf einer geflüchteten Familie aus Teschetschenien, einer Mutter mit sechs Kindern, unter die Arme greift. Die berichtet, wie sehr sie das Thema mitnimmt und dass sie nicht möchte, dass die Familie wieder abgeschoben wird. Die Filmperspektive schwenkt auch zum Internationalen Café, wo Deutsche und mit etwa 50 Flüchtlinge zusammenkommen. Tendenz steigend. Und zum Pfarrer Christian, der eine pakistanische Flüchtlingsfamilie begrüßt: „Willkommen!“.

Der Film endet mit der Forderung nach Reformen. Im Abspann dann Zahlen, Schwarz auf Weiß: Im Jahr 2014 sind weltweit 51 Millionen Menschen auf der Flucht. In Deutschland gibt es 200.000 Asylanträge.

Der Film als Ausgangspunkt für die abendliche Diskussion

Die Zahlen verschwinden, die Leinwand wird schwarz. Im Raum erstmal Ruhe.
„Erschlagen?“, fragt Almuth Tharan. Es dauert nicht lange und die Teilnehmer*innen ergreifen das Wort. Wer sind denn jetzt eigentlich die Guten? Könnt ihr die Position der Bürger*inneninitiative nachvollziehen? Und was für eine Rolle spielt der Landkreis?

„Ich kann das überhaupt nicht verstehen“, wirft Amanda Beser ein, die neben ihrem ökologischen Jahr gerade einmal in der Woche Asylrecht an der Uni studiert. „Was wäre, wenn morgen 53 mittelose Deutsche ins Dorf ziehen würden? Wären die Bürger*innen dann genauso besorgt?“ Es fallen Begriffe wie Rassismus. „ Alles gleich als Rassismus zu bezeichnen ist auch so typisch modern deutsch“, erklärt Georgios Stavropolous, Architekturstudent an der Uni Hannover. Es ist vom Stimmungsbild in der Bevölkerung die Rede. Also ein Generationenproblem? „Man kann den Leuten nichts aufzwingen, das fördert doch nur den Fremdenhass. Es fehlt die Kommunikation“, findet Robert Bergmann, der Kunst in Hamburg studiert . Es müsse gefragt werden, was die Bürger*innen bereit sind zu tun. „Eine Lösung kann nur im Dialog gefunden werden“.

 

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