„Müssen wir jetzt ganz schnell und schlicht bauen?“

Am letzten Tag des 8. Jugendforums Stadtentwicklung stellten Jugendliche dem Bundesbauministerium ihre erarbeiteten Ideen zur Geflüchtetenpolitik vor.

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Im Ministerium wird viel diskutiert. Niklas macht das sichtlich Spaß. (Foto: Benedikt Bungarten)

Die Teilnehmer*innen des Jugendforums Stadtentwicklung stellten am Montag ihre Ideen zum Thema Flucht und Migration dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit vor. Das ganze Wochenende über hatten sie in drei Arbeitsgruppen Konzepte zur Unterbringung, zur ehrenamtlichen Hilfe und zur Integration der Geflüchteten entwickelt. Anke Brummer-Kohler, Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung, erklärte zu Beginn der Präsentation, warum das Ministerium das Jugendforum veranstaltete: „Wir möchten heute Jugendliche zu Wort kommen lassen, die Ideen für mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt haben.“ Viele Lebensbereiche würden sich verändern, ist Brummer-Kohler überzeugt. Sie hat die Jugendlichen gefragt: „Müssen wir jetzt einfach ganz schnell und schlicht bauen?“.

Drei Tage intensive Arbeit

Doch bevor die Diskussion begann, wurden erst einmal die Ideen der Arbeitsgruppen vorgestellt: Niklas und Moritz aus Workshop 1 stellten ihre Konzepte zur Unterbringung vor: Sie entwickelten einen Integrationszirkel für Stadt und Land. Gerade infrastrukturelle Veränderungen, wie der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs in Dörfern, seien integrative Voraussetzungen, um sich ein soziales Umfeld aufzubauen oder bestehende Kontakte aufrechtzuerhalten. In der zweiten Präsentation zum Thema „Ehrenamt“ sprachen Basti und Konstantin über die Anerkennung von ehrenamtlichen Tätigkeiten, aber auch über Verbesserungen für bestehende Geflüchtetenhilfsaktionen. Die Arbeitsergebnisse von Workshop 3 erklärten Joschka und Marina: Sie präsentierten Gelingensfaktoren und Maßnahmen für eine erfolgreiche Integration. Dazu gehören ein Leitfaden für Geflüchtete, der Ausbau von Projekten, in denen sich Geflüchtete beteiligen können und eine Beratungsinstanz zwischen Geflüchteten, Vereinen und Behörden.

„Das ist vielschichtiger“

Nach etwa einer Stunde waren alle Ergebnisse präsentiert und Abteilungsleiterin Brummer-Kohler ergriff wieder das Wort: Sie lobte die tiefgreifenden Konzepte und die Differenzierung eines Teilnehmers, Ängste der Bevölkerung in Bezug auf den Flüchtlingszustrom ernst zu nehmen und nicht pauschal als rassistisch abzustempeln: „Das ist vielschichtiger“, sagte sie. „Zum Beispiel in Orten, in denen Arbeitsmangel besteht, könnten sich daraus Ängste über den Arbeitsmarkt entwickeln.“ Ängste würden aus vielen Faktoren entstehen und seien nicht immer Ausdruck einer politischen Meinung.

Architekturstudent Georgios fragte Brummer-Kohler, warum es nicht mehr dezentrale Flüchtlingsunterbringungen gebe. Sie erklärte, dass Geflüchtete in der Regel nur für Erstaufnahmezwecke und bei Fortführung ihres Asylanerkennungsverfahrens gemeinschaftlich untergebracht würden. In Ausnahmefällen erschwerten einige Probleme eine dezentrale Unterbringung auch in anderen Fällen : Fachkräftemangel in den Behörden zum Beispiel, ebenso könnten keine Einheitswohnungen gebaut werden, da sowohl alleinreisende Geflüchtete Zuflucht bei uns suchen, als auch große Familien. Größter Gesichtspunkt sei derzeit aber fehlender Wohnraum.

Themenwechsel: Dr. Andreas Kapphan, aus dem Referat für Wohnungswirtschaft und Wohneigentum, empfahl nicht nur die präsentierte Perspektive der Bundesregierung einzunehmen, sondern auch der der Geflüchteten Beachtung zu schenken: „Diese Menschen kommen zu uns, weil sie Schutz suchen.“ Es solle ihnen deshalb erst mal Ruhe gegeben werden und sie dürften nicht direkt mit Integrationsprojekten überfordert werden.

Zwei Stunden reichten nicht

Eine Vetreterin des Ministeriums wollte dann aber doch noch einige Meinungen zu Integrationsprojekten einholen. Sie interessierte, ob Jugendliche das Angebot an freiwilligem Engagement von Geflüchteten im Bereich Umweltschutz, als empfehlenswert betrachten. Basti ergriff Position: „Ich finde den Gedanken von Herrn Kapphan eigentlich ganz richtig“, unabhängig von der thematischen Ausrichtung gelte für alle Projekte, dass man, bevor man sie Geflüchteten ans Herz läge, ihnen erst einmal Zeit lassen sollte. „Da ist das Thema egal“, stellte er klar. Niklas hingegen warf ein, Geflüchtete seien mit der Signifikanz von Umweltschutz oft nicht vertraut: „Ich war selbst mal in Afrika und habe echt eine halbe Stunde mit einem Kind darüber diskutiert, Flaschen nicht einfach in die Natur zu werfen: Ich habe nicht mal gewonnen.“ Überdies würde Geflüchteten auch deshalb das Verständnis für die Problematik fehlen, weil die größten Emissionen und Pro-Kopf-Verbrauche von Europa ausgingen.

Die Diskussion wurde intensiv fortgeführt, aber um 12:15, schon eine Viertelstunde später als geplant, beendete Abteilungsleiterin Brummer-Kohler die Debatte: „Viele Stichworte sind gefallen, einige davon werden neue Ideen für uns liefern.“, resümierte sie zufrieden.

Weitere Artikel zum Jugendforum im Bundesbauministerium

Trotz ihres vollen Terminkalenders hatte Abteilungsleiterin Anke Brummer-Kohler doch kurz Zeit für politikorange: Ihr Gespräch mit Fabrizio Suma könnt ihr hier lesen.

Darline Jonasson kommentierte in unserem Live-Ticker das Geschehen fast im Minutentakt: Hier könnt ihr ihr „Ministeriumsgeticker“ nachlesen.

Noch mehr Bilder aus dem Ministerium gibt es in der Bildergalerie.

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