Preisträger zwischen den Kulturen

Die drei Preisträger der dpa newstalents 2015 werden für ihren etwas anderen Journalismus ausgezeichnet. Dafür reisten sie in die Ferne –  in andere Länder oder vor die eigene Haustür. 

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Patrick Neumann, Robert Rack, Björn Stephan, Tamina-Florentine Zuch und Christian Röwekamp (v.l.). (Foto: Florian Timpe)

„Der Stumpf“ lautete das Projekt von Björn Stephan, der als Gewinner der dpa-newstalents 2015 bei der Auftaktveranstaltung ausgezeichnet wurde. Es handelt sich dabei um eine Textreportage, die er für das SZ-Magazin geschrieben hat. Über eine langen Zeitraum hat er einen Menschen begleitet, dessen größter Traum es ist das rechte Bein zu verlieren. Sogar in den Urlaub hat er ihn begleitet. „Er ist nicht verrückt, sondern krank.“, beschreibt Stephan den Protagonisten seiner Reportage. Wolfram Beer, wie er ihn fiktiv nennt, leidet an der seltenen Krankheit BIID. Von klein an träumt er davon sein rechtes Bein endlich loszuwerden. Sogar eine Guillotine wollte er auf sein Bein fallen lassen. Stephan hat in dieser Reportage für sich eine große Verantwortung darin gesehen, dass der Protagonist nicht in Wirklichkeit erkannt werden darf. Dies könnte sein Leben völlig zerstören. Obwohl ihm die Recherche merklich nahe gegangen ist, ist Wolfram Beer für ihn „in gewisser Weise auch ein Arschloch, da er als einbeiniger Mann auch das Leben seiner Frau zerstört hat. Sie hat ihn ja mit zwei Beinen geheiratet.“ Bei der Preisverleihung war der 28-Jährige nicht selber anwesend, da er an einer Veranstaltung „der Zeit“ in Berlin teilnehmen musste. Per Skype konnte er dann doch noch live dabei sein. Der Journalist arbeitet derzeit für das SZ-Magazin und verfasst Beiträge für den „Berliner Tagesspiegel“.

Es kommt auf den Wow-Effekt an

Der Preis der dpa-newstalents wird von der Deutschen Presse-Agentur, diesmal vertreten durch Patrick Neumann und Christian Röwekamp, verliehen. Ausgezeichnet werden Projekte von Jugendlichen zwischen 18 und 28 Jahren. Dies können Fotoreportagen, Audiosequenzen, Videos, Filme oder Texte sein. Dabei kommt es nicht auf spröde und strikte Kriterien an, sondern auf den besonderen Wow-Effekt, „der Beitrag muss geil sein“, so Neumann. Dieses Jahr wurden von der fünfköpfigen Jury, bestehend aus Vertretern der Medienwelt, zwei zweite Plätze und ein erster Platz gekürt.

Einen zweiten Platz belegte Tamina-Florentine Zuch mit ihrer Fotostrecke „Indian Train Journey“. „Die Fotos haben eine atemberaubende Farbvielfalt und zeigen die ferne und fremde Kultur dieses außergewöhnlichen Landes“, führte Röwekamp in seiner Laudatio aus. Hauptsächlich bilden die Bilder Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen und -situationen in Zügen, dem verbreitetsten Reisemittel Indiens, ab. Mit ihrer Fotostrecke füllte sie bereits elf Seiten in einer Ausgabe des „Stern“. Die 25-Jährige studiert Fotodesign und Fotojournalismus in Hannover, davon auch ein Semester in Indien. Dabei glaubt sie fest, dass „je länger man in Indien ist, desto weniger versteht“. Derzeit arbeitet sie in Hannover an einem typisch deutschen Projekt über einen Schrebergarten.

Robert Rack ergatterte mit seinem multimedialen Projekt „Mythos Mariachi“ ebenfalls einen zweiten Platz. Der Kölner möchte mit seinen Videos, über die sonst nur durch „Feliz navidad“ bekannten mexikanischen Mariachi-Musikkapellen, keine Klischees befördern, sondern etwas andere Personen vorstellen. Die auf den ersten Blick ganz andere Kultur Mexikos ähnelt im tieferen Sinn doch sehr häufig auch der Europäischen. Der große Traum des 23-Jährigen ist es in seinem nächsten Beitrag etwas mit Gamification zu machen. Doch da er gerade als Volontär bei den öffentlich-rechtlichen arbeitet glaubt er nicht, dass ihm das gelingen wird.

 

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