Zum Wahlsieg geklickt

Der Gang zur Urne – Tradition oder schon längst überholt? Das Internet ist in nahezu alle Bereiche des Lebens vorgedrungen. Sollen wir demnächst auch per Klick eine Wahlentscheidung treffen?

Update für die Demokratie: Wird es in Zukunft die App zur Bundestagswahl geben? (Foto: Michele Ursino, flickr.com, CC-BY-SA 2.0)

Update für die Demokratie: Wird es in Zukunft die App zur Bundestagswahl geben? (Foto: Michele Ursino, flickr.com, CC-BY-SA 2.0)

Ich laufe zur Bushaltestelle und mir fällt ein Plakat ins Auge. Ach ja, heute sind Oberbürgermeisterwahlen. Dann gebe ich doch schnell noch meine Stimme ab! Ich zücke das Smartphone, öffne den Browser und setze virtuell meine Kreuzchen.
So oder so ähnlich könnte die Wahl der Zukunft aussehen. Bequem, schnell und einfach seine Stimme abgeben – das klingt doch toll. Und legt die Vermutung nahe, dass politische Wahlen auf elektronischem Wege die Wahlbeteiligung erhöhen könnten. Immerhin sind besonders junge Leute mit den neuen Medien vertraut und bauen sie unverzichtbar in ihren Alltag ein. Smartphone und Tablet könnten per App an die Wahl erinnern – zeitgemäß.

Dr. Volker Mittendorf, Politikwissenschaftler an der Uni Wuppertal und Experte auf dem Gebiet der Wahlforschung, hält einen Anstieg der Wahlbeteiligung durch ein Online-Verfahren allerdings für marginal: „Zusätzlich besteht das Risiko, dass ältere Menschen abgeschreckt werden, die der Digitalisierung skeptisch gegenüberstehen“, sagt er. Für zentral hält er auch die Frage nach der Datensicherheit. „Die Technik kann noch kein unverfälschtes Wahlergebnis gewährleisten. Wenn es um Macht geht, wird es auch Manipulationsversuche geben“, sagt Mittendorf. In der Tat gelang es dem Chaos Computer Club in den Niederlanden in einem Versuch, elektronische Wahlmaschinen so zu hacken, dass die Manipulation nicht einmal nachweisbar war.

Räumliche Unabhängigkeit dank der Online-Wahl

Der Wuppertaler Jugendrat (WJR) führte 2012 zum ersten Mal Online-Wahlen durch. Ulf Lietz, ehemaliges Mitglied des Rates, berichtet, dass man sich für dieses Verfahren entschied, um „die Wahlen modern zu gestalten und mit der Zeit zu gehen, da Jugendliche immer mehr Zeit im Internet Verbringen“. Den Ansatz hält Lietz für richtig, die Umsetzung aber für verbesserungswürdig. Für Jugendliche, die kein Smartphone oder einen Computer besitzen, um online abzustimmen, könnten Internetcafés und Schulen mit eingerichteten Computerräumen unterstützend wirken.

Die geografische Unabhängigkeit ist eine interessante Komponente der Online-Wahl und eines der Hauptargumente für die Durchführung in der Schweiz. Die Online-Abstimmung soll eine rechtzeitige Stimmabgabe der im Ausland lebenden Schweizer gewährleisten. Gerade im Zeitalter der Globalisierung spielt die Wahl aus dem Ausland für immer mehr Menschen eine Rolle. Online-Wahlen werden ziemlich sicher in der Zukunft normal sein, meint Mittendorf. „Das ist nur eine Frage der Zeit.“

Entscheidende Fragen stellen sich vor allem im Bereich der Sicherheit, denn dass die Kriminalität vor der Online-Urne Halt macht, ist nicht zu erwarten. Mit entsprechendem Schutz bietet das Verfahren vor allem Chancen für diejenigen, denen Politik oft trocken und altbacken erscheint: den jugendlichen Wählern von Morgen.

Was die Autorin zuletzt gepostet hat und welche digitalen Trends sie im Journalismus beobachtet, könnt ihr hier auf mitmischen.de nachlesen.

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