Wir sind die Digitalen

Wir sind die Digitalen, die Generation Google, die Zocker und die Internationalen. Wir sind die Globalisierten, die Nutzer und die Realitätsfernen. Doch gleichzeitig sind wir die Aufgeklärten, die Weltklugen. Darf ich vorstellen? Wir sind die Jugend, die Zukunft.

Sehr wahrscheinlich sind auch diese beiden in sozialen Netzwerken aktiv. (Foto: Gerald Streiter, flickr.com, CC-BY-NC 2.0)

Sehr wahrscheinlich sind auch diese beiden in sozialen Netzwerken aktiv. (Foto: Gerald Streiter, flickr.com, CC-BY-NC 2.0)

„Die Jugend entgleitet uns anders als wir unseren Eltern damals entglitten sind“, meinen die Alten. „Denn wir fanden wieder zu uns zurück, fast alle von uns. Und niemand wusste von unseren Träumen und Weltvorstellungen. Die gehörten ganz allein uns. Bei der jetzigen Jugend, da ist das anders: Sie teilen alles mit allen. Oder besser gesagt: sie teilen alles allen mit. Ihre Träume liken sie als Sprüche auf Facebook und twittern dann ihre Weltvorstellungen. Sie geben einfach alles von sich preis, sie sind so schrecklich naiv.“

Ja, wir sind naiv: Obwohl wir von solchen „Gefahren“ und „Fallen“ wissen, immerhin sind wir die Aufgeklärten, bleiben wir trotzdem online. Es bleibt uns nichts anderes übrig, denn kein deutscher Jugendlicher könnte es sich leisten, sich nicht regelmäßig im Netz herumzutreiben: um etwas zu googlen, das eigene Profil sozialer Netzwerke zu pflegen, um sich weiterzubilden, etwas zu bestellen oder mit anderen zu kommunizieren. Laut einer Studie des Branchenverbands Bitcom sind ab unserem 10. Lebensjahr fast alle von uns online, 42 Prozent der 12- bis 13-Jährigen haben ein Profil auf Facebook, Twitter und Co. – Tendenz steigend. Sich heute noch dem Internet zu entziehen, das ist quasi unmöglich.

Vertraut uns!

Wir sind also Digital Natives, bereits ins Internet hineingeboren. Trotzdem fürchten Erziehungsberechtigte und Jugendschützer um unsere Sicherheit. So lassen sich zahlreiche Jugendschutzprogramme zum Downloaden finden, genauso wie Beratungswebsites für vom Internetkonsum ihrer Kinder überforderte Eltern.
Doch ist die Paranoia der Eltern gerechtfertigt? Ja, sagt jugendschutz.net, die länderübergreifende Stelle für den Jugendschutz im Internet. Laut deren Recherchen gab es 2013 insgesamt rund 8.000 Verstöße gegen den Jugendschutz. Registrierte wohlgemerkt, denn die Dunkelziffer liegt noch viel höher.

Was also tun? Man könnte das Internet weiter zensieren, man könnte Aufklärung an Schulen leisten, um uns mitzuteilen, was genau Konsequenzen von veröffentlichten privaten Details sein könnten und man könnte die Eltern dazu auffordern, mit ihren Kindern über mögliche Gefahren zu reden. Es gibt also viele Ansätze um das unkultivierte, böse Internet für die hilflose, noch so junge Generation benutzbar zu machen.

Doch den einen Ansatz, der nur zu gern vergessen wird, der ist, dass man uns auch ein Stück weit vertrauen muss. Man wird niemals das ganze Internet zensieren können, genauso wenig, wie man niemals alle Jugendlichen über Aufklärungsunterricht zum Thema Internet erreichen wird. Und natürlich werden sich auch in Zukunft immer noch Straftaten abspielen, die man nicht verhindern kann. Wir wünschen uns neben all den guten Ratschlägen in erster Linie mehr Vertrauen.

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