Wer hat die Macht über uns? Wer sollte sie haben?

Ich bin ein „Digital Native“. Ich erobere die Gesellschaft. Doch zunächst hat das Internet mich erobert. Ich suche Jobs im Internet, ich bewerbe mich über das Internet, ich informiere mich im Internet. Natürlich hat jeder von uns die Wahl, ob und wie stark er im Internet aktiv ist.

Wo die vielen Daten wohnen: Innenansicht eines Rechenzentrums (Foto: 1&1 Internet AG, flickr.com, CC-BY 2.0)

Wo die vielen Daten wohnen: Innenansicht eines Rechenzentrums (Foto: 1&1 Internet AG, flickr.com, CC-BY 2.0)

Doch bei unseren Daten haben wir schon längst nicht mehr die Wahl. Auch wenn ein Bürger komplett ohne Internet lebt und jedes Formular per Hand ausfüllt, so kann er noch lange nicht verhindern, dass seine Daten meist in einer Cloud abgespeichert werden. Clouds sind doch etwas Tolles. Sie sind von unterschiedlichen Orten zugänglich und verbrauchen lokal keinen Speicherplatz. Die Daten befinden sich irgendwo in einem Data Center und keiner weiß doch eigentlich so genau, wo das ist. Durch diese relative, lokale Unbestimmtheit von Clouds, zählen die Gesetze des Landes, in dem sich der Server-Provider, quasi das Herzstück einer Cloud, befindet.

Wenn es sich um einen amerikanischen Cloud-Anbieter handelt, dann sind Cloud-Daten auf keinen Fall mehr sicher vor der NSA, weil amerikanische Cloud-Anbieter sogar gesetzlich dazu verpflichtet sind, diese an die amerikanische Sicherheitsbehörde weiterzugeben. Mittlerweile haben viele resigniert und sind zu der Überzeugung gelangt, die NSA wisse sowieso schon alles über uns. Die NSA hat schließlich Zugriff auf Unmengen von Facebook-Daten. Was nützt es mir, dass ich mich jahrelang gegen einen Facebook-Account gesträubt habe, ich aber um WhatsApp nicht herum komme und damit sogar noch viel intimere Informationen aus einem virtuellen Zwei-Augen-Gespräch an die gleichen Behörden gelangen? Gehöre ich schon zur Generation „Datenschutz hoffnungslos“? Hoffnungslos in dem Sinne, dass Sicherheitsbehörden sowieso schon (fast) alles über mich wissen.

Stoppt die Überwachung!

Wenn es schon so ist, dann möchte ich wenigstens, dass es bei meinen Kindern anders wird. Für sie möchte ich, dass sie die grenzenlose Freiheit über Kontinente hinweg, mit der uns das Internet immer schmackhaft gemacht wird, ungestört genießen können. Das Internet ist eine sehr große Wissensquelle, doch das meiste Wissen bleibt einfach ungenutzt, da es niemand hinsichtlich Plausibilität, Richtigkeit und Belegbarkeit untersucht hat. Dies zu tun, wäre mir viel wichtiger, als Algorithmen zu programmieren, die Werbung noch zielgruppenspezifischer platzieren, um den Absatz zu steigern. Ein Produkt verkauft sich zwar dadurch besser, aber noch besser verkauft es sich, indem es genial ist.

Großartige Produkte können nur entstehen, indem sich Menschen auch trauen, im Internet über heikle, fortschreitende, unmöglich erscheinende Pläne zu sprechen. Doch das ist nur möglich, indem sie sich nicht ständig durch eine Behörde überwacht fühlen und ihre Daten nicht zu ihrem Schaden eingesetzt wissen. Unsere Nachkommen, die „Digital Natives 2.0“, können mit ihren Ideen und der Hilfe des Internets die Gesellschaft erobern – doch dafür brauchen sie Freiraum und Sicherheit zugleich.

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