Moderne Medien erobern die Klassenzimmer – oder doch nicht?

Längst gehören Computer, Smartphone und Co. zum Alltag vieler Jugendlicher. Die Vorteile liegen auf der Hand: Schnelle Recherchen im Internet, Lebensereignisse mit Freunden in sozialen Netzwerken teilen oder Messenger-Nachrichten verschicken – heute kein Problem mehr, vor 15 Jahren unvorstellbar.

Auch im Musikunterricht können digitale Medien eingesetzt werden - zum Beispiel Tablets (Foto: Brad Flickinger, flickr.com, CC-BY 2.0)

Auch im Musikunterricht können digitale Medien eingesetzt werden – zum Beispiel Tablets (Foto: Brad Flickinger, flickr.com, CC-BY 2.0)

Doch Pädagogen wollen den Jugendlichen nicht nur zeigen, wie man mit moderner Informationstechnik Spaß haben kann. Ulrich Zeller, Physiklehrer und ehemaliger Mitarbeiter des Informatikriesens IBM, erklärt seinen Schülern immer: „Ihr habt den PC bisher nur zum Zeitvertreib genutzt. Hier in der Schule sollt ihr lernen, wie man damit arbeitet.“ Zeller beispielsweise bringt seinen Schülern im Technikunterricht die Funktionsweise von Computern mithilfe der Programmiersprache Basic näher. Auch wenn gerade junge Mädchen häufig damit Schwierigkeiten hätten – dem Pädagogen gehe es dabei hauptsächlich um das „logische Verständnis“ eines PCs.

Ein etwas anderes Vorgehen hat seine Kollegin Gertrud Häußler, Lehrerin für katholische Religionslehre am Anna-Essinger-Gymnasium Ulm. Auch sie geht mit ihren Schülern regelmäßig in den Computerraum, aktuell dreht sie mit ihrer 10. Klasse einen Dokumentarfilm über die Schulgründerin Anna Essinger. Dabei lernen die Schüler, wie man Fakten im Internet recherchiert, eine Präsentation erstellt oder mit Schnittprogrammen arbeitet.
Die Pädagogin hält den Einsatz moderner Medien im Unterricht für sehr wichtig: „Gerade bei Themen wie Liebe oder Partnerschaft in Religion können sie zur gezielten Gestaltung des Unterrichts beitragen“, sagt sie.

Abwechslung im Unterricht dank Computer

Diese Meinung teilt auch Rolf Schmuck, Leiter des Kreismedienzentrums Ulm. „Wenn Medien richtig eingesetzt werden, beispielsweise Filmsequenzen während eines Lehrervortrags, können sie ein Thema anschaulicher machen und die Aufmerksamkeit der Schüler erhöhen. Sie bieten Abwechslung“, so Schmuck.
Dafür müsste die Schule aber auch Möglichkeiten bieten und einsatzbereites Equipment bereitstellen. „Leider funktioniert dieses oft nicht richtig“, berichtet der Spezialist. Außerdem sollte der Medieneinsatz sinnvoll sein. Schmuck hält es für „Unfug“, 35-minütige Filmsequenzen zu zeigen: „Da sinken Aufmerksamkeit und Interesse der Schüler“, sagt der Experte. Er rät daher zu Filmausschnitten von maximal 5 Minuten Länge.

Drei Beispiele, eine Resonanz: Moderne Medien, richtig eingesetzt, können Schülerinnen und Schüler zum Lernen animieren, Sachverhalte verdeutlichen und ihnen den Umgang mit moderner Informationstechnik, die auch in Beruf und Studium immer mehr an Bedeutung gewinnt, erleichtern.

Leider werden die Angebote von Pädagogen viel zu zögernd angenommen. Eine repräsentative Umfrage des Autors an einem Ulmer Gymnasium hat ergeben, dass weniger als dreißig Prozent der Lehrkräfte moderne Medien mindestens einmal pro Monat und Klasse einsetzen. „Das liegt zum einen an mangelnder Ausbildung, zum anderen daran, dass viele Lehrer die Möglichkeiten durch Medien nicht sehen“, meint die Lehrerin Gertrud Häußler.
Es bleibt zu hoffen, dass diese Schwierigkeiten bald überstanden sind. Denn dann kann endlich von den Vorteilen profitiert werden.

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