Gekonnt gefragt: Ein Besuch beim Interview-Workshop

Fragen über Fragen: Wer ein Interview führen möchte, muss mehr tun, als diese einfach rauszuhauen. Vorbereitung ist genauso wichtig wie Fingerspitzengefühl. Denn wenn der Interviewpartner nicht wie erwartet antwortet, muss der Journalist reagieren können.

Wie eine passende Reaktion aussehen sollte und wie man überhaupt ein Interview erfolgreich führt, zeigt Lucia Voßbeck-Elsebusch, Kommunikationswissenschaftlerin und Reporterin bei RTL Hessen, jungen Medienmachern im Workshop „Quasselstrippen, Schweiger und andere Artgenossen“. Ein Stegreif-Interview zu Beginn bringt sowohl persönliche Informationen als auch Erwartungen der Teilnehmer ans Licht. Schnell zeichnet sich ab: die Antworten sind immer ein Stück weit von den Fragen abhängig.

Für Wohlfühlstimmung sorgen

So ist der erste Themenkomplex der richtigen Fragestellung gewidmet. Hier gilt die Faustregel, geschlossene Fragen zu vermeiden – denn schließlich wollen Journalisten ihren Interviewpartnern so viele Informationen wie möglich entlocken. Ein weiterer Grundsatz des Interviewens ist es, die Fragen an den Gesprächspartner anzupassen. Die Form der Frage erzeugt eine gewisse Stimmung. Hat man es beispielsweise nicht mit Medienprofis zu tun, so sollte man für eine Wohlfühlstimmung sorgen, damit der Interviewpartner bereit ist, Informationen preiszugeben.

Im Gespräch mit Prominenten kann durchaus ein Zweckbündnis eingegangen werden, bei dem der Journalist von den Informationen und der Interviewpartner von der entsprechenden Werbung profitiert. Auch das Erscheinungsbild spielt eine wichtige Rolle für den Journalisten und kann schon in den ersten Minuten darüber entscheiden, ob das Interview Erfolg hat: So sollte man immer angemessene Kleidung tragen. Overdressed zu sein kann auch Ablehnung provozieren.

Übung ist die halbe Miete

Bei aller Theorie kommt es doch letztlich vor allem auf die Übung an. Daher lernen die Teilnehmer, Fragen zu formulieren und richtig zu stellen. Anlässlich des Bahnstreiks sollen Fragen entwickelt werden, die an Menschen gestellt werden könnten, die in den Streik involviert sind. Der Fantasie sind keine Grenze gesetzt: Sowohl Provokation als auch Sachlichkeit müssen kombiniert werden. Nicht nur die Stimmen der wütenden Bahnkunden sollen gehört werden, sondern auch die Hintergründe der Gewerkschafter.

Wichtig ist es, so Voßbeck-Elsebusch, nicht auf die persönliche Ebene zu rutschen. Die Konstellation zwischen Interviewer und Interviewpartner ist klar: Nur einer stellt die Fragen. Auch wenn oft versucht wird, dem Journalisten die persönliche Meinung zu entlocken, sollte dieser davon Abstand nehmen.

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