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Flohmarkt im freiLand: Die Potsdamer nutzen ihr Kulturzentrum gerne. Foto: Dustin Sattler

12.000 Quadratmeter wechselvoller Geschichte. Wo die Firma Arado früher Bomber für den Zweiten Weltkrieg herstellte, Zwangsarbeiter litten und danach die Potsdamer Wasserbetriebe einzogen, befindet sich heute das freiLand.

Im größten selbstverwalteten Kulturzentrum Potsdams zog das Jugendforum Stadtentwicklung für ein Wochenende ein. Gleichzeitig fanden am Sonntag ein offener Flohmarkt und das Straßenkulturfestival statt. „Wir leben davon, dass wir Räumlichkeiten für temporäre Projekte zur Verfügung stellen“, sagt Achim Trautvetter. Der 34-jährige Geschäftsführer der Trägergesellschaft freut sich, dass damit auch Debatten ins freiLand kommen, „die wir alleine so intensiv gar nicht führen könnten.“ Das Kulturzentrum sei ja ein offenes Labor, „und die Leute kommen, merken das und helfen uns, weiterzukommen“, ergänzt er. „Wir fragen uns selbst immer wieder, wo wir als Projekt hinwollen.“

Basisdemokratisches Arbeiten

Denn das freiLand ist zwar jung, aber schon ziemlich groß: Vor drei Jahren eröffnet, gibt es heute etwa 40 Nutzergruppen, die im monatlichen Plenum zusammenkommen. Dazu gehören etwa ein sozialpädagogischer Verein, Ateliers, eine Kreativwerkstatt und der Jugendverein Spartacus. „Wir sind horizontal statt hierarchisch orientiert, arbeiten basisdemokratisch und konsensorientiert“, erklärt Achim. „Die Angelegenheiten, die alle betreffen, werden auch mit allen besprochen.“

Ein renoviertes Schloss, aber kein Jugendzentrum

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Es war ein langer Weg, bis das freiLand in Potsdam seine Tore öffnen konnte – dafür ist es jetzt umso bunter. Foto: Dustin Sattler

Bis es soweit war, gingen die Initiatoren einen weiten Weg. Dass der linkspolitisch und selbstverwaltete Jugendclub Spartacus im Jahr 2008 sein Gebäude verlassen musste, trug zu einer Jugendkulturkrise in Potsdam bei. Daraufhin bildete sich ein kreativer Protest mit Techno-Demos und Partys in leer stehenden Häusern. Am Ende wurde sogar eine Stadtverordnetenversammlung gesprengt. „Wir waren sehr präsent mit unserer Forderung, dass die Jugend einen Raum braucht.“ Ein neues Jugendzentrum in der Innenstadt musste entstehen. Das alte befand sich unmittelbar neben dem Stadtschloss, das aufwändig renoviert wurde, damit der Brandenburgische Landtag dort einziehen konnte.

Weg frei fürs freiLand

„Der damalige Geschäftsführer der Stadtwerke, eine richtig coole Socke, hat uns dieses Areal gezeigt“, erinnert sich Achim. Zu dieser Zeit waren hier nur zehn Arbeiter der Wasserbetriebe beschäftigt. „‘Die könnten auch woanders arbeiten‘, sagte er uns. Damit war der Weg frei fürs freiLand“, sagt Achim Das Gelände liegt zwar nicht direkt in der Innenstadt, aber immerhin nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt.

„Eine total geile Zeit“

„Dann mussten wir uns um 180 Grad drehen: Vom Protest in einen realpolitischen Prozess“, sagt Achim. Die Initiatoren betraten die politische Landschaft, erstellten Konzepte und warben bei den Parteien um Unterstützung. „Als es endlich ans Bauen ging, waren drei Monate lang jeden Tag dreißig Leute hier, das war eine total geile Zeit.“ Achim erzählt, wie „kraftvoll“ das war. „Mit mehr Identifikation kann man einen Raum gar nicht versehen, als vom Abriss bis zum Verputzen der neuen Wände dabei zu sein.“

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Vom Wasserwerk zur Kreativwerkstatt. Foto: Dustin Sattler

Das Bauen geht weiter

Am 13. Mai 2011 war es soweit: Das freiLand öffnete seine Pforten. Doch damit ist das Projekt noch lange nicht abgeschlossen. „Wir sind auf jeden Fall in Bewegung. Und es tauchen immer noch Fragen auf, die wir uns davor noch nicht gestellt haben“, sagt Achim. Auch für die Zukunft hat das freiLand einiges vor: Bald wird im Sportraum ein neuer Fußboden verlegt. Außerdem werden die Bandprobenräume ausgebaut. „Langfristig wollen wir unsere Übernachtungsräume modernisieren. Da gibt es momentan nur kalte Duschen.“ Achim und sein Team wollen ihre Energie auf jeden Fall beibehalten. „Wir dürfen uns nicht auf unseren Erfolgen ausruhen“, denn es gebe immer noch genug gesellschaftliche Missstände, die geändert werden müssen. Wie sieht er sonst die Zukunft des freiLand? Er überlegt. „Naja, sky is the limit.“

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