Sprengt die Asphaltmauern und lasst das Leben durch! „Unter’m Pflaster liegt der Strandist ein Motto der Situationisten. Laura Bruns spielt mit dem Titel ihrer Masterarbeit „Stadt statt Strand“ auf diese Ideen der 68er an.

Es ist die romantische Vorstellung einer Bullerbü-Welt mit Holzbänken auf grünen Wiesen, Blumen in den Fensterläden und hausgemachtem Kuchen. Für Laura Bruns ist das ein Traum von Nachbarschaft: „Wir brauchen keinen Strand. Wir holen uns den Wohlfühleffekt in die Städte“.

 

Ein dickes Buch zeugt von der Intensität, mit der sich Laura im Rahmen ihrer Masterarbeit mit dem Thema Stadtentwicklung beschäftigt hat. Doch anstatt große Reden zu schwingen, möchte Laura Taten sprechen lassen: Sie möchte Menschen animieren rauszugehen, mitzumachen, kreativ zu werden. So kann jeder Bürger seine eigene Stadtgeschichte schreiben.

 

Laura Bruns erzählt von ihrer Masterarbeit zum Thema "Stadt selber machen"

Stadt selber machen! Laura Bruns erklärt uns, wie das gehen kann.
Foto: Dustin Sattler

Mach mal!

Laura ist 29 Jahre alt und als Expertin zum Jugendforum eingeladen. Sie soll den Teilnehmenden Anregungen und Tipps zum Selbermachen geben. Begeistert und mit vielen Worten, wirft sie ihre Ideen auf den Tisch.

 

Für ihre Masterarbeit an der Züricher Universität hat sie über 18 Monate recherchiert. Mit wissenschaftlichen Debatten möchte sie sich nicht aufhalten, sondern, wie sie selbst sagt, „Frau Müller von nebenan“ erreichen. Jeder kann anfangen und aus alten Paletten Bänke bauen. Als Anregung und Hilfestellung entstand aus ihrer Masterarbeit ein anschauliches und leicht zu lesendes Handbuch.

 

Nicht nur im Hipsterherz ist die Liebe zum Selbermachen aufgeflammt, überall fangen Leute wieder an, zu stricken, zu nähen, Marmelade zu kochen – eben so viel wie möglich selbst zu machen. Auch die rot geflochtene Stoffkette, die um Lauras Hals hängt, lässt sich dem Fabrikat Eigenmarke zuordnen. Warum kommt dieses Selbermachersyndrom gerade jetzt wieder auf?

 

Trendwelle schwappt über

Überbevölkerung, Gentrifizierung und Privatisierungen in Städten, obendrauf die Finanzkrise – da wolle der Bürger nicht mehr tatenlos zusehen. Er will mitgestalten. Auch die Dauervernetzung in unserer überdigitalisierten Welt werfe in uns das Bedürfnis aktiver Betätigung auf. „Das ist gleichzeitig eine Chance“, ergänzt Laura. Es entstünde ein Netzwerk: Laura skypte für ihre Forschung zum Beispiel auf einmal mit einem Aktivisten aus San Francisco. Die Stadt sieht sie als den Nabel der neuen Stadtentwicklung. Von hieraus fliegen Ideen in die ganze Welt und werden an verschiedensten Orten ähnlich umgesetzt. Zum Beispiel der Park(ing) Day: Er kommt aus Übersee und findet nun auch einmal jährlich in deutschen Großstädten statt. Der Gedanke dahinter: Aus Parkplätzen werden lebendige Aufenthaltsräume, zumindest für ein paar Stunden.

 

Doch oft passierten Aktionen im Dunkeln, klein und stillheimlich. Laura war bei der Aktion „72 hours interactions“ im nordrheinwestfälischen Witten dabei. Engagierte aus der ganzen Welt gestalteten die Stadt für diese 72 Stunden um. Mit ihrer Form der gelebten Baukultur wollten sie Inspiration bringen. Die Projektmacher suchten Patenschaften für die dabei entstandenen Aufbauten, doch schlussendlich riss die Stadt das Geschaffene bereits zwei Tage nach der Aktion wieder ab. Ganz getreu dem Motto: Das ist Kunst, das kann weg. „Da fehlt der Nährboden“, bemängelt Laura. Sie hätte sich mehr Nachhaltigkeit für dieses Projekt gewünscht.

 

Laura Bruns im Gespräch

Auf ihrem Blog sammelt Laura spannende Projekt, möchte „konservieren und motivieren“. Foto: Dustin Sattler

 

Ohne Fleiß kein Preis

Man bekommt sofort Lust, dem Aufruf der Masterarbeit „Die Stadt gehört uns! Lasst sie uns einrichten“ zu folgen und sich mit Handschuhen und einer Harke bewaffnet nicht nur aus, sondern in den Staub zu machen. Doch die langfristige Pflege ist mehr Arbeit als man meine, „dafür sind viele Leute zu faul“, stellt Laura fest.

 

Die große Frage bleibt: Ist der Wunsch nach Mitgestaltung Zeichen eines Gesellschaftsumschwungs oder nur ein kurzfristiger Trend? „Wie auch immer“, überlegt die Autorin, „was bleibt, ist ein neues Bewusstsein für sich und seine Umwelt.“

 

Besonders freut es sie, wenn Leser und „Stadtschwärmer“ ihr schreiben. Kajetan Skurski, ein junger Mann voller Ideen für „seinen“ Berliner Wedding, nahm Kontakt mit Laura auf. Sie gab ihm Tipps. Jetzt soll am Mettmannplatz eine Bühne gebaut werden. Noch fehlt es an finanziellen Mitteln, die per Crowdfunding gesammelt werden. Die Gemeinschaft macht’s möglich.

 

Laura Bruns, Stadt selber machen, jovis Verlag, 16.80 Euro und zum Probelesen auf ihrer Webseite stadtstattstrand.de.


 

5 Fragen an Laura Bruns

Wofür brennst du?

Dafür, dass es Leute gibt, die selber denken und nicht annehmen, was man ihnen vorgibt. Für Leute, die Spuren hinterlassen.

Hast du Helden?

Ich habe Helden. Die Leute vom Raumlabor Berlin machen unglaubliche Dinge möglich.

Was machst du, wenn wir dir 10 m² Rasen schenken?

Die gemalte Bank auf dem Rasen

Foto: Dustin Sattler

Ich stelle eine Bank darauf.

Hast du einen Plan?

Ich erwarte von mir selbst, einen Plan zu haben, finde mich aber doch manchmal planlos wieder. Aber es stellt sich heraus, dass dann entstehende Dinge, doch aus Plänen hervorgegangen sind.

Welche Frage hätten wir dir noch stellen können?

Die nach meiner Prognose für die Entwicklung der Stadt.

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