Jubel im Mojo Club: Mit 11,2 Prozent erzielt die Linkspartei Hamburg bei der Bürgerschaftswahl vergangenen Sonntag ihr historisch bestes Ergebnis. Woran liegt es, dass die totgesagte Partei innerhalb weniger Wochen solch einen Aufschwung erlebt?

© Nora Josif / Jugendpresse Deutschland e.V.
Seit fast 20 Jahren gehört Die Linke zur Hamburger Politiklandschaft. Erstmals trat die Partei 2008 zur Bürgerschaftswahl an und ist seitdem für viele Hamburger*innen nicht mehr wegzudenken. Doch das bundesweite Image hat zuletzt gelitten: Sätze wie „Eine Stimme für Die Linke ist eine verschenkte Stimme“ waren Alltag. Interne Konflikte, unterschiedliche Strömungen und negative mediale Berichterstattung überschatteten viele Jahre die soziale Politik – bis jetzt.
Comeback des Jahres
Bei der Bundestagswahl Ende Februar gilt Die Linke als heimlicher Gewinner. Mit rund neun Prozent überholte sie vorherige Regierungsparteien wie die FDP und schafft es – zur Überraschung vieler – wieder als vereinte Fraktion in den Bundestag. Hamburg spielte da keine unwichtige Rolle: Zu den stärksten Wahlkreisen gehörten Bezirke wie Hamburg-Mitte und Altona. Mit jeweils 19 und 18 Prozent lagen sie deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Der linke Zuwachs ist in der Hansestadt auch anders zu spüren: Erstmals in der Historie des Landesverbandes ist es bei der Bürgerschaftswahl zu einem zweistelligen Ergebnis gekommen. Ganz zur Freude von Spitzenkandidatin Cansu Özdemir: „Es ist ein grandioses Ergebnis. Wir haben lange dafür gekämpft.“
Die Jugend wählt links
Vor allem bei jungen Menschen trifft Die Linke auf hohe Resonanz: 25 Prozent der Wähler*innen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren wählten bei der Bürgerschaftswahl links. Bei der U18-Wahl des Deutschen Bundesjugendrings kam es zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Linke ist mit rund 21 Prozent die stärkste Kraft. Täglich gibt es bis zu 100 Neueintritte in den Landesverband Hamburg. Häufig mit dabei: Junge Menschen. Der Pressesprecher der Hamburger Linken Ralf Dorschel zeigt sich positiv überrascht: „Dass es jetzt so läuft, das war natürlich noch vor Wochen nicht vorhersehbar.“ Studien belegen das politische Interesse junger Menschen und zeigen, dass das Bild der unpolitischen neuen Generation ein Trugschluss ist. Junge Menschen – vor allem junge Frauen – nehmen eine Vielzahl von politischen Problemen wahr und beschäftigen sich mit Themen wie Kinderarmut, Infrastruktur und Renten: Das Spielfeld der Linken.
„Ich finde die klassischen Medien wichtig – ich würde mal offenlassen, ob ich das in 5 Jahren noch genau so sage.“
Wo viele politische Akteur*innen Schwierigkeiten haben, die neue Wähler*innengruppe adäquat anzusprechen, schafft es Die Linke erfolgreich mit ihrer neuen Social Media-Strategie. Von Trending Sounds und Fan-Edits bis hin zu neuen Kosenamen für Abgeordnete wie „Süßmaus“ und „unser Kampfzwerg“: Der Linkshype unter der Gen Z ist deutlich zu spüren. Denn Die Linke ist im Vergleich zu anderen Parteien auf TikTok ganz vorne mit dabei und zeigt mit frechen Videos ihren neuen jugendlichen Geist. Ein Ansatz, der auf fruchtbaren Boden fällt: Studien belegen, dass soziale Medien zu den wichtigsten Informationsquellen junger Menschen gehören. Pressesprecher Dorschel sagt dazu: „Ich finde die klassischen Medien wichtig – ich würde mal offenlassen, ob ich das in 5 Jahren noch genau so sage.“ Spitzenkandidatin Özdemir führt aus: „Das wird für die Politik in diesem Land auch in den nächsten Jahren eine größere Relevanz haben.“
Niemals alleine, immer zusammen
Der Fokus im linken Bürgerschaftswahlkampf lag ebenso auf der Erzeugung eines Gemeinschaftsgefühls. Unter dem Kampfruf „Niemals alleine, immer zusammen!“ stimmte Abgeordnete Heike Sudmann mit jubelndem Zuspruch in den Wahlabend ein. Pressesprecher Dorschel verdeutlicht: „Wir wollen ein Safe-Gefühl vermitteln mit der Kampagne. Dass wir auch wirklich bei den Leuten sind.“ Veranstaltungen wie „Techno-Tischtennis“ mit Heidi Reichinnek und Jan van Aken oder „Eat The Rich“-Food Trucks verstärken diesen Eindruck. Özdemir betont, wie wichtig der Austausch mit Menschen vor Ort gewesen sei für den Wahlkampf.
Es bleibt offen, wie die Zukunft der Linken aussieht. Klar ist, dass sie im Hinblick auf die sozialen Fragen, denen sich Deutschland in den nächsten Jahren vermehrt stellen muss, Potenzial hat, weiter zu wachsen. Solange sie mit frischem Geist und geschlossener Linie auftritt, steht einem weiteren Parteiwachstum nichts im Weg.
1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort
Ein super Artikel, vielen Dank!