Überlebenskampf 2.0

Ein einsamer Wald in Sibirien: Kein Strom, kein Internet – und wir wären verloren. Wie wird nochmal ein Feuer entfacht? Mit dem Smartphone! Und wie werden wilde Tiere gefangen? Na, mit einem Laptop-Ladekabel! Wie wir Technik auch analog nutzen können, um zu überleben, zeigte der wohl nicht ganz ernst gemeinte „Survivalkurs“ auf der re:publica.

Dort liegen sie – sechs abgetrennte Autoscheibenwischer. Das Gummiband wird abgezogen, die Plastikhülle entfernt. Es erscheinen silberne Stangen, 20 Zentimeter lang. Sie werden mit der Zange gebogen bis sie ein „S“ ergeben. Schon ist das Material zum Schlösser aufknacken geschaffen. Die re:publica besteht eben nicht nur aus Diskussionsrunden mit Medienschaffenden, Unternehmern, Politikern, Experten und Promis. Die Abenteurer infiltrieren immerhin am Rande die Messe. Nicht einmal im analogen Programmheft, dafür aber im Internet stand der Workshop zur Überlebenshilfe mit digitalen Mitteln.

Sokratis Zacharopolos ist einer der Initiatoren des Workshops. Die Kunst der Schlösserknackens lernte er bei Hausbesetzungen. Es helfe ihm aber auch, wenn er sich selber ausschließen würde. Und wenn wir – mal so ganz theoretisch – mit einem Auto stehen geblieben wären und wir zusätzlich ein leeres, abgeschlossenes Haus gefunden hätten, wäre unsere Vorrichtung sicher ebenfalls hilfreich gewesen. Alle Teilnehmenden schaffen es, das Schloss zu knacken. Dazu hilft es, die Stifte zu hören, die beim Öffnen einrasten. Viele sitzen mit dem Schloss am Ohr und schweigen. „So ein Seminar ist wie ein Häkelkurs. Das Geräusch ist ähnlich und alle sind hochkonzentriert“, kommentiert Zacharopoulos das Geschehen.

Werkzeuge aus Elektroschrott

Das Innenleben der Handys und eines alten Laptops lassen sich weiter vielseitig verwenden: Ein Teilnehmer entfacht mit einem Handyakku, Stahlwolle und Tampon ein Feuer. Ein anderer baut aus der Metallplatte eines Laptops und einer Stange einen Speer. Auch Glas kann genutzt werden, um es zu einem Messer umzufunktionieren. Dazu zerstückelt jemand ein altes Übersetzungsgerät und zerdrückt das Display bis sich eine scharfe Kante herauslöst. Die Ladekabel der Handys können Tiere strangulieren, erklärt ein Workshop-Helfer. Kupfer aus dem Laptop wirke Keimabtötend, dies könne vor allem bei der Zubereitung des Essens wertvoll sein. „Wir können heute Werkzeuge aus Digitalem kreieren“, sagt die Initiatorin des Workshops, Karina Fissguss. „Heute müssen wir nicht mehr durch Holz Reibung erzeugen, um ein Feuer zu erzeugen. Dafür können wir auch ein Smartphone nutzen.“

Doch es sollten nicht nur Geräte auseinander gebaut werden: „Wie kommen wir im Wald eigentlich ins Internet?“ war eine der Fragen, denen sich laut Internetseite im Workshop gestellt werden sollte. Leider wurde diese Frage nicht ausreichend beantwortet. Insgesamt ging es mehr um die analoge als um die digitale Nutzung der Geräte. Also im Notfall: Das Handy verzweifelt gegen den Boden werfen und anfangen, den Akku zu erhitzen.

Foto: Julian Beger/ www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

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