„Ein falscher Ton als Muslim und du bist gebrandmarkt“

„Wir sind die Mitte“, erzählt Tarek Bärliner. Der 21- jährige ist Journalist der Islamischen Zeitung (IZ). Gegründet wurde die IZ 1995 in Weimar von deutschen Konvertiten, die ihrer Umgebung die islamische Welt näher bringen wollen.

Mittlerweile dient die monatlich erscheinende Zeitung als Plattform deutsche*r Muslim*as – Brückenbauer und Sprachrohr also. Das Sprachrohr der islamischen Mitte, die in anderen Medien nicht zu Wort zu kommen scheint. Es würden keine extremen Seiten oder speziellen Ausrichtungen zum Ausdruck gebracht – kein Wahhabismus oder neoliberaler Islam, sondern der sunnitisch-orthodoxe Islam, den die Mehrheit der deutschen Muslim*as angehört. Die Islamische Zeitung habe in der deutschen Medienlandschaft in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen, denn sie sei kritisch, nähme kein Blatt vor dem Mund und leite den Diskurs, so Tarek. „Viele Medienhäuser verfolgen unsere Statements und Positionen, orientieren sich auch an ihnen. Sie machen dies allerdings nicht öffentlich, schenken uns keine direkte Anerkennung.“ Das scheint Tarek nicht sehr zu bedauern, er erzählt weiter: „Auf Facebook gehört unsere Seite zu den Top Ten der Medien mit der breitesten Reichweite. Daran merkt man, wie viel wir bewirken können.“

Tarek Bärliner (21) gestikuliert während des Interview mit politikorange

Tarek Bärliner während des Gesprächs mit politikorange. Foto: Jonas Walzberg

Die IZ hat lediglich zwei festangestellte Redakteure, allerdings über 100 freie Autor*innen. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. Darunter lassen sich Professor*innen, Aktivist*innen und Studierende finden: „Wenn ein Psychologe einen Artikel einreicht, hat er natürlich eine andere Zielgruppe als ein Student“, so Tarek. Durch diese vielfältige Zusammensetzung der Autor*innen werde eine breite Masse angesprochen.

„Ich habe mir noch keinen Fehltritt erlaubt“

Tarek reichte anfangs nur Artikel ein, mittlerweile übernimmt er auch den Social-Media-Bereich. Nach seinem Abitur vor zwei Jahren wollte er ursprünglich Politikwissenschaften studieren. Dann lernte er den Chefredakteur der IZ kennen, sie freundeten sich an. Tarek beschloss, statt Politik- Kommunikationswissenschaften zu studieren: „Das ist aber nicht notwendig. Von meinem Chefredakteur habe ich mehr gelernt als von irgendeinem Professor.“ Auf die Frage, ob Tarek je zu einem anderen Medium wechseln würde, reagiert er direkt: „Auf keinen Fall. Viele Muslime denken, sie müssen in den Massenmedien reflektiert werden oder zu Wort kommen. Über den eigentlichen Islam werden sie nicht viel vermitteln können, weil immer nur Extreme präsentiert werden. Selbst die, die eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, tragen inhaltlich nicht viel zur Debatte bei. Die können sich mit Politikern ablichten lassen, aber in der muslimischen Community steht niemand wirklich hinter denen.“ Seit den Anschlägen des 11. Septembers müssten Muslim*as in der Öffentlichkeit besonders acht auf ihren Ausdruck geben, weil sie bewusst in die Enge getrieben würden. „Ich wurde vor Kurzem zu ‚hart aber fair‘ eingeladen, doch ich lehnte ab. Zum einen, weil ich die Diskussion nicht als konstruktiv genug einschätzen kann, zum anderen, weil ich nicht weiß, ob ich reif genug bin: Ein falscher Ton als Muslim und du bist gebrandmarkt. Ich habe mir bisher noch keinen Fehltritt erlaubt.“
Bei der IZ möchte er eine klare Linie schaffen und aus der Leser*innenschaft eine kluge Masse bilden. Außerdem gäbe es auch einfach Dinge, die nicht massenkompatibel seien. In erster Linie sei er Muslim und seine Arbeit in der Islamischen Zeitung eine spirituelle Angelegenheit. Sein Ziel ist, die Islamische Zeitung weiter aufzubauen, der deutschen Gesellschaft den Islam zu erklären und den Muslim*as eine Möglichkeit zu geben, ihre Stimme zu kundzutun.

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